Adele Neuhauser hat am Freitagabend im WDR-Talk „Kölner Treff“ über schwere Jahre in ihrer Kindheit und über sechs Suizidversuche gesprochen. Die 67-Jährige sagte, ihre Eltern hätten sich getrennt, als sie noch ein Kind war, und sie habe sich damals selbst die Schuld gegeben.
„Da muss man wirklich sehr wach sein und schauen, dass man die Kinder da auffängt. Ich bin da drinnen ein bisschen hängen geblieben – und habe eine ziemliche Depression ausgefasst damals“, sagte Neuhauser. Später sei daraus eine schwere Depression geworden, in sechs Suizidversuchen gemündet habe. Nicht alle davon seien ernst gemeint gewesen, erklärte sie. Hilfe habe sie damals nicht gesucht, weil ihr der Mut gefehlt habe. Heute wolle sie anderen genau das mitgeben: mutig sein und sich Unterstützung holen.
Die Schauspielerin, die aus Griechenland stammt und in Wien aufgewachsen ist, sprach zugleich über die andere Seite ihres Lebens. Sie sei heute eine glückliche Mutter und Großmutter, sagte Neuhauser, und habe ein sehr gutes Verhältnis zu ihrem Sohn, ihrer Schwiegertochter und ihren zwei Enkeln. Die Kinder nennen sie „Omama“. „Ich bin sehr, sehr glücklich mit dieser wunderbaren Familie“, sagte sie. Sie wolle für alle „der liebevollste und geborgenste Ort“ sein.
Neuhausers persönliche Offenheit fällt zusammen mit einem neuen Fernsehprojekt: Der ZDF-Zweiteiler „Mama ist die Best(i)e“ ist bereits in der Mediathek abrufbar. Darin spielt sie Gloria Almeda, eine sehr reiche Society-Lady, die zehn Jahre im Gefängnis verbracht hat, weil sie ihren Mann getötet haben soll. Zurück bei ihrer Familie will sie Rache und den wahren Mörder finden. Neuhauser sagte, sie habe die Rolle gemocht, weil sie die Entwicklung einer Figur über einen längeren Zeitraum spielen könne. Besonders reizte sie nach eigenen Worten die „verrückte, etwas überkandidelte, unsympathische, shoppingsüchtige Society-Nudel“.
Die neue Rolle trifft einen bekannten Zeitpunkt in ihrer Laufbahn. Seit 2011 spielt Neuhauser in der Wiener „Tatort“-Reihe die Bibi Fellner. Im April 2025 teilte der ORF mit, dass die letzten Fälle mit Eisner und Fellner 2026 ausgestrahlt werden. Für Neuhauser ist damit ein vertrautes Kapitel im Fernsehen absehbar geschlossen, während sie mit „Mama ist die Best(i)e“ eine andere Figur in einer ganz anderen Tonlage zeigt. Der Widerspruch bleibt dabei derselbe: eine Schauspielerin, die öffentlich sehr offen über seelische Brüche spricht, spielt zugleich eine Frau, die hinter Fassade und Reichtum die eigene Wut nach außen kehrt. Genau darin liegt auch die Wirkung des Abends in Köln und der neue Reiz des ZDF-Formats im Mediathek-Angebot.

