Paris ansässige Mistral will das österreichische Start-up Emmi AI übernehmen und setzt damit den jüngsten Vorstoß in Richtung spezialisierter Industrie-KI fort. Die Transaktion soll in dieser Woche bekannt werden, während Emmis mehr als 30 Beschäftigte bis Ende des Monats zu Mistral wechseln sollen.
Für Mistral wäre es die zweite Übernahme binnen drei Monaten. Im Februar hatte das Unternehmen bereits das französische Start-up Koyeb gekauft. Mistral wurde 2023 gegründet, um offene grundlegende KI-Modelle für Unternehmen zu bauen, und hat in den drei Jahren seitdem fast 2,8 Milliarden Euro eingesammelt. Das Unternehmen erreichte dabei eine Bewertung von 11,7 Milliarden Euro.
Emmi wurde erst vor gut einem Jahr geschaffen. Das Start-up entwickelt grundlegende KI-Modelle, die nach den Gesetzen der Physik trainiert werden und komplexe Ingenieurprozesse simulieren sollen. Die Technologie nennt das Unternehmen große Engineering-Modelle, kurz LEMs. Damit lassen sich etwa Luftströmungen um einen Flugzeugflügel berechnen oder zeigen, wie sich die Struktur eines Autos bei einem Crash verformt. Emmi sagt, die Modelle könnten in der Luft- und Raumfahrt, der Automobilindustrie, der Energiebranche und bei Halbleitern eingesetzt werden und Simulationen in Echtzeit ausführen. Herkömmliche Verfahren benötigen für ähnliche Berechnungen teils mehrere Tage.
Der Kauf passt zu Mistrals wachsender Neigung zu Übernahmen als strategischem Baustein. Das Unternehmen verschiebt sich damit sichtbar von einem breiter angelegten Basismodell-Anbieter hin zu spezialisierten Anwendungen für einzelne Branchen. Arthur Mensch sagte zu dem Schritt, der Erwerb festige Mistrals Führungsanspruch bei industrieller KI und mache das Unternehmen zum bevorzugten Partner für Hersteller in besonders anspruchsvollen Bereichen wie Luft- und Raumfahrt, Automobil oder Halbleiter. Er fügte hinzu, die Integration biete Kunden eine vollständig eingebettete Plattform, um komplexe Herausforderungen zu lösen, zentrale Forschungs- und Entwicklungsprozesse zu verändern und hochwertige Innovation zu beschleunigen.
Guillaume Decugis sagte, Mistral sei an einem vertikalen Ansatz interessiert, während das Unternehmen bislang eher horizontal aufgestellt gewesen sei. Die Spezialisierung von Frontier-Labs könne sich, wie er sagte, als bedeutsam erweisen und könne, wie bei Anthropic zu sehen sei, stark auszahlen. Finanzielle Details des Kaufs wurden nicht offengelegt. Emmis Team soll Ende des Monats zu Mistral stoßen, und weitere Einstellungen in Österreich, Deutschland und Litauen werden erwartet. Für Mistral ist das kein Nebenschritt, sondern ein klarer Hinweis darauf, wohin der Konzern seine Milliarden und seine Aufmerksamkeit lenkt: weg von der Breite, hinein in Industrien, in denen ein paar Minuten Rechenzeit über Monate Entwicklung entscheiden können.

