Eine neue Criteria-Umfrage zeigt, dass 76 Prozent der Befragten José Antonio Kasts Ankündigung, mehr als 300.000 irreguläre Migranten von Chile an seinem ersten Amtstag auszuweisen, als konkrete und reale Zusage verstehen. Nur 16 Prozent meinten, das Versprechen sei symbolisch gemeint und nicht wörtlich zu nehmen.
Die Erhebung kommt eine Woche nachdem Kast erklärt hatte, seine Aussage sei eine „metáfora“. Genau dieses Wort stand im Zentrum der Befragung, die diesen Sonntag veröffentlicht wurde und zeigt, dass die Mehrheit seiner Worte nicht als sprachliches Bild liest, sondern als politisches Vorhaben, das umgesetzt werden könnte.
Für Kast fällt der Befund gemischt aus. Seine Zustimmung stieg um zwei Punkte auf 38 Prozent, zugleich kletterte seine Ablehnung um zwei Punkte auf 53 Prozent. Das ist der höchste Wert gegen ihn seit Beginn der Amtszeit. Die Zahlen zeichnen ein Bild eines Kandidaten, der mehr Aufmerksamkeit gewinnt, aber auch mehr Widerstand auslöst, während er seine härteste Botschaft im Wahlkampf verteidigt.
Auch die Sicht auf die Regierung verschlechterte sich. Der Anteil derjenigen, die den Kurs der Regierung für falsch halten, legte um sechs Punkte auf 46 Prozent zu. 36 Prozent sagten, die Verwaltung sei auf dem richtigen Weg, ein Rückgang um einen Punkt. Bei der Megareform sank die Unterstützung um einen Punkt auf 36 Prozent, während 32 Prozent sich dagegen aussprachen, zwei Punkte weniger als zuvor.
Die gleiche Umfrage deutet zudem auf Skepsis gegenüber einem weiteren Projekt hin. 48 Prozent glaubten, der Wiederaufbau werde vor allem großen Unternehmen und Menschen mit höherem Einkommen zugutekommen. Nur 35 Prozent meinten, er werde Arbeitsplätze für die breite Bevölkerung schaffen. Damit bleibt das Misstrauen gegenüber den wirtschaftlichen Versprechen ebenso sichtbar wie die Spaltung über Kasts Migrationspläne.
Das Ergebnis ist politisch heikel, weil es die Lücke zwischen Kampfrhetorik und öffentlicher Wahrnehmung offenlegt. Wenn drei Viertel der Befragten eine Aussage als wörtliches Versprechen lesen, verliert der Rückzug auf die Formulierung „metáfora“ einen Teil seiner entlastenden Wirkung. Für Kast wird nun entscheidend sein, ob er die Debatte über seine Worte kontrollieren kann oder ob sie sich weiter gegen ihn richtet.

