Die Weltgesundheitsorganisation hat am Sonntag wegen neuer Ebolafieber-Ausbrüche in der Demokratischen Republik Kongo und in Uganda einen internationalen Gesundheitsnotstand ausgerufen. Die Erklärung soll Nachbarstaaten alarmieren und internationale Hilfe für die betroffenen Länder in Zentral- und Ostafrika mobilisieren.
Die WHO stufte die Lage nicht als Pandemie ein, sondern als gesundheitlichen Notstand von internationaler Tragweite. Bislang sind nach Angaben der Organisation etwa 250 Fälle und 80 Todesfälle bekannt, die meisten davon in der Provinz Ituri im Nordosten des Kongo. Die Behörde warnte zugleich, dass der Anstieg vermuteter und tödlicher Fälle darauf hindeute, dass der Ausbruch möglicherweise viel größer ist als bisher entdeckt und berichtet.
Ituri grenzt an Uganda und den Südsudan. In dem Gebiet treffen eine fragile Sicherheitslage, eine humanitäre Krise und starke Bevölkerungsbewegungen aufeinander, was die Nachverfolgung von Infektionsketten erschwert. Das macht die aktuelle Lage aus Sicht der WHO zu einem außergewöhnlichen Ereignis, das über die betroffenen Bezirke hinaus Beachtung verdient.
Besonders heikel ist, dass der aktuelle Ausbruch mit dem Bundibugyo-Stamm des Ebola-Virus verbunden ist und es dafür keinen zugelassenen Impfstoff gibt. Dieser Variantentyp hat mit rund 37 Prozent zwar eine niedrigere Sterblichkeitsrate als der Zaire-Stamm, der bis zu 90 Prozent erreichen kann, bleibt aber hochgefährlich. Ebola wird durch direkten Körperkontakt und durch Kontakt mit Körperflüssigkeiten übertragen; in Afrika kann das Virus auch über den Verzehr bestimmter Wildtiere, des sogenannten Bushmeat, weitergegeben werden.
Die Zahlen zeigen, wie weit sich das Geschehen bereits ausgedehnt hat. In Ituri wurden acht bestätigte und 246 vermutete Fälle gemeldet, in Kinshasa wurde ein Fall bestätigt. Zwei infizierte Menschen aus dem Kongo reisten nach Uganda; einer von ihnen starb. Die Africa Centres for Disease Control and Prevention berichteten zudem von 336 vermuteten Fällen und 88 Todesfällen in der Demokratischen Republik Kongo.
Für das Land ist es bereits der 17. Ebola-Ausbruch seit 1976. Der Bundibugyo-Stamm hatte zuvor nur zwei Ausbrüche ausgelöst, 2007 in Uganda mit 37 Todesfällen und 2012 im Kongo mit 29 registrierten Toten. Die jüngste Ebola-Geschichte der Region bleibt geprägt von größeren und kleineren Rückschlägen: Der Westafrika-Ausbruch von 2014 und 2015 forderte mehr als 11.000 Menschenleben, der letzte Ausbruch in der südwestlichen Provinz Kasaï im Kongo kostete 45 Menschen das Leben.
Die WHO will mit der Ausrufung des Gesundheitsnotstands mehr Tempo in die internationale Reaktion bringen. Für die betroffenen Staaten ist das Rennen nun nicht nur gegen die Krankheit selbst, sondern gegen Zeit, Mobilität und die Unsicherheit in einer Region, in der Ebola immer wieder zurückkehrt.

