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Udo Lindenberg Geburtstag: Mit 80 bleibt der Panikrocker ein Original

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wird 80. Der Musiker, Maler, Sänger, Rockstar, Ikone und ein bisschen auch Parodie seiner selbst ist an diesem Geburtstag längst mehr als eine Figur der deutschen Popgeschichte. Er ist ein Mann, der sich früh aus dem engen, kleinbürgerlichen Gronau ins große Hamburg ziehen wollte und der bis heute das Gefühl vermittelt, nie woanders hingehört zu haben als auf die Bühne, ins Bild und in die eigene Legende.

„Ich mach mein Ding, egal was die andern labern“, sagt Lindenberg über sich. Zu seinem 80. gehört auch die Bilanz eines Arbeitstiers: 800 Lieder hat er geschrieben, darunter „Hoch im Norden“, „Andrea Doria“ und „Hinterm Horizont geht’s eben weiter“. Schon Anfang der 1970er-Jahre fiel sein Talent als Schlagzeuger auf. In den 1970ern trommelte Lindenberg in der Vorspannmelodie zum ARD-, ein Klang, der für viele bis heute zum deutschen Fernsehen gehört wie der Vorspann selbst.

Dass Lindenberg heute als eine der prägenden Figuren deutschsprachiger Musik gilt, hat auch mit seiner Eigenart zu tun, aus Haltung immer wieder Pop zu machen. Er ist politisch und zugleich ein Träumer. Er suchte die große Geste, aber auch die Nähe zum Alltag. Wer ihm begegnet, trifft ihn nicht allein. Um ihn herum sind meist seine engsten Komplizen, seine Panikfamilie. Und wo Fans auftauchen, endet der Auftritt selten mit Distanz: Lindenberg begegnet Menschen mit Toleranz und Freude an Begegnungen. Kein Fan, der sich ihm nähert, muss ohne Selfie oder zumindest ein Hallöchen weiterziehen.

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Besonders stark wurde sein Name auch in der DDR aufgeladen. Lindenberg nahm die Menschen im Osten wahr, und mit „“ kam der Stein ins Rollen. Die Schauspielerin sagt, Lindenberg habe den Leuten im Osten eine Stimme gegeben: „Udo hat die Leute im Osten wahrgenommen, er hat ihnen eine Stimme gegeben, auch im Westen. Deshalb ist er so was wie ein Held im Osten.“ Die DDR ließ ihn einmal singen; abgeschirmt von den wahren Fans gab es ein kleines Konzert vor ausgewählten FDJlern. In diesem Zusammenhang fällt auch der Name Egon Krenz, der bis heute für die politische Enge jener Zeit steht, in der Lindenbergs Figur schon über Musik hinaus wirkte.

Auch später blieb er jemand, der sich politische Themen nicht nur ans Revers heftete, sondern in Musik übersetzte. 2022 stellte Lindenberg seinen Hit „Wir ziehen in den Frieden“ im Rahmen des NDR-Kultur-Chorexperiments als Hymne gegen den Krieg in der Ukraine zur Verfügung. Der größte Chor Norddeutschlands sang das Lied, und damit bekam ein alter Lindenberg-Titel noch einmal eine neue, aktuelle Wucht. Dass er auch dann nicht einfach nostalgisch wurde, sondern sich in den Moment stellte, gehört zu seiner Karriere ebenso wie die großen Refrains.

Der Weg dorthin war nicht gradlinig. In den 90ern wurde es nach Erfolgen und Bravo-Coverstorys ruhiger um den Panikrocker. Lindenberg nennt diese Zeit eine „fiese, miese Midlifekrise“. Alkohol war in dieser Phase sein ständiger Begleiter. Heute spricht er offen darüber, wie er daraus herauskam: mit Hilfe seiner Panikfamilie. Diese Offenheit gehört zu dem Bild, das er inzwischen von sich selbst zeichnet. Nicht der unverwundbare Rockstar steht im Zentrum, sondern ein Künstler, der Abstürze nicht versteckt und Rückkehr nicht als Wunder verkauft.

Entscheidend für seine spätere Rückkehr war auch ein neuer Schub von außen. 2008 brachte Managerin Lindenberg mit dem Produzenten und Musikern zusammen. Es war ein Moment, der ihm noch einmal Energie gab und daran erinnerte, warum diese Figur seit Jahrzehnten trägt. Lindenberg ist 80, aber sein Nachhall kommt nicht aus dem Alter, sondern aus der Mischung von Trotz, Wärme, politischem Instinkt und Showgefühl. Er hat sich nie ganz angepasst, nie ganz entfernt und nie ganz aus der eigenen Rolle gelöst. Genau deshalb ist er bis heute mehr als ein Jubiläumsgesicht: Er bleibt ein Künstler, der deutschsprachige Musik geprägt hat und dessen Geburtstag auch ein Stück Kulturgeschichte markiert.

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