André Thieme hat in Hamburg den Longines Grand Prix gewonnen und damit genau rechtzeitig vor dem Derby-Wochenende das Signal gesetzt, auf das er seit Jahren hinarbeitet. Im Stechen blieb der 51-Jährige mit Chakaria vor der Konkurrenz und verwies die Belgierinnen Emilie Conter und Gudrun Pattet auf die Plätze zwei und drei.
Der Sieg kam im Stechen nach einem fehlerfreien Umlauf der acht Reiterinnen und Reiter, die die 1,60 Meter hohen Hindernisse ohne Abwurf überstanden hatten. Thieme war dabei 1,35 Sekunden schneller als der Rest und nahm 75.000 Euro mit. Für den Reiter aus Plau am See ist der Erfolg mehr als nur ein weiterer großer Preis: Er empfiehlt ihn für einen Start bei den Heim-Weltmeisterschaften in Aachen vom 11. bis 23. August.
Thieme kennt diese Arena bestens. Vor diesem Triumph hatte er das Springderby in Hamburg bereits viermal gewonnen, im Großen Preis von Hamburg aber nie. Mit Chakaria war er dort schon Zweiter gewesen, drei Jahre vor diesem Sieg, und zwei Jahre zuvor Dritter. Diesmal passte alles. Der Reiter sagte, er habe gewinnen wollen, und machte aus seiner Zielsetzung keinen Hehl: Das Derby sei der Grund, warum er überhaupt hier sei.
Auch hinter dem Sieger lag ein starkes Ergebnisfeld. Conter wurde mit Portobella van de Fruitkorf Zweite, Pattet mit Sea Coast Qarvaljo d'Or Dritte. Für Thieme war der Erfolg nicht nur sportlich wertvoll, sondern auch ein psychologischer Vorteil vor dem 95. Deutschen Spring-Derby am Sonntag, für das 32 Paare qualifiziert sind. Es wäre eine Besonderheit, wenn er nach dem Grand-Prix-Sieg an diesem Wochenende auch noch das Derby gewinnen würde - etwas, das in Hamburg bislang niemand geschafft hat.
Der Schauplatz ist dabei mehr als nur eine Kulisse. In Klein Flottbek treffen an diesem Wochenende Spring- und Dressursport aufeinander, und auch in der Dressur gab es bereits ein Ausrufezeichen: Isabell Werth gewann den Grand Prix Special und kann am Sonntag noch das Dressur-Derby holen. Werth, die das Dressur-Derby schon 1996, 2000, 2006 und 2008 gewonnen hat, sagte, das Team habe einen guten Weg eingeschlagen und wolle so weitermachen.
Zwischen den sportlichen Höhepunkten bleibt dennoch eine Unwägbarkeit, die Hamburg seit Jahren prägt: Die Favoritenrolle ist selten eine Garantie. Thieme sagte über Chakaria, das Pferd sei außergewöhnlich und habe sich im Parcours sehr souverän angefühlt. Zugleich machte er deutlich, dass es nicht leicht gewesen sei. Genau darin liegt die Spannung dieses Wochenendes: Thieme hat sich in Position gebracht, aber der Derby-Sonntag muss das, was der Grand Prix begonnen hat, erst bestätigen.
Für Zuschauerinnen und Zuschauer gibt es am Sonntag auch klare Zeiten. Der ZDF berichtet von 14.25 bis 15.15 Uhr im Livestream und von 15.30 bis 17.15 Uhr im Fernsehen über das Geschehen in Hamburg. Nach diesem Auftakt ist die einfache Antwort auf die Frage, ob Thieme in Klein Flottbek nur mitgeritten ist oder den Wochenend-Doppelpack wirklich im Blick hat: Er ist als Favorit ins Derby gegangen und hat mit dem Grand-Prix-Sieg genau die Form gezeigt, die diesen Anspruch untermauert.

