Danemark hat seinen Vertreter für den Eurovision Song Contest 2026 gefunden: Søren Torpegaard Lund fährt mit dem Lied „Før vi går hjem“ nach Wien. Der Sänger setzte sich in der dänischen Vorentscheidung gegen die Favoritin Sissal durch und machte damit einen Wettlauf entschieden, der bis zuletzt offen wirkte.
Für Lund ist der Sieg mehr als ein Karriereschritt. Er hatte schon 2023 an der dänischen ESC-Vorentscheidung teilgenommen, verlor damals aber gegen Reiley, der später in Liverpool nicht ins Eurovision-Finale kam. Diesmal überzeugte Lund mit einem Indie-Pop-Song mit elektronischen Einflüssen und einer Inszenierung, die auffällt: Er bewegt sich tanzend um und in einer gläsernen Box, die an ein Aquarium erinnert, während ihm ein Tänzer auf der Bühne das T-Shirt auszieht und er in einem Mesh-Shirt und Lederhosen zurückbleibt.
Lund sagte nach seinem Sieg gegenüber dem schwedischen Fernsehen, er empfinde das gerade als Stärke. Außerdem erklärte er: „Wenn die Sprache nicht Wort für Wort verstanden wird, entsteht ein Geheimnis, das perfekt zum Thema des Liedes passt: Versuchung und was nach Mitternacht geschieht.“ Der Hinweis ist zentral, weil der Song gerade nicht über eindeutige Zeilen, sondern über Stimmung und Andeutung funktioniert.
Dass Lund in der Vorentscheidung ausgerechnet Sissal schlug, ist auch deshalb bemerkenswert, weil er im dänischen ESC-Kosmos eher als Bühnenmann aus dem Musicalfach galt als als klassischer Songcontest-Kandidat. Seine Erfahrung stammt vor allem aus Musicals; er stand unter anderem in „Kinky Boots“ und „Tanz der Vampire“ auf der Bühne und spielte eine Hauptrolle in „West Side Story“ an der Königlichen Oper in Kopenhagen. Ausgebildet wurde er an der Danish School of Performing Arts, wo er damals der jüngste Student war.
Die Biografie erklärt, warum Lund in einer Live-Show so sicher wirkt. Sie erklärt auch, warum seine Entscheidung für einen bewusst geheimnisvollen Song kein Risiko, sondern ein Stilmittel ist. An derselben Schule lernte er auch seinen Verlobten kennen; das Paar ist verlobt. Für Dänemark beginnt damit nun die eigentliche Eurovision-Phase, und in Wien wird sich zeigen, ob die Mischung aus Theatererfahrung, Pop-Arrangement und kalkulierter Zurückhaltung auch auf der großen ESC-Bühne trägt.

