Lesen: Russen unter Druck: Kiew testet neue See-Drohne mit Raketen und Reichweite

Russen unter Druck: Kiew testet neue See-Drohne mit Raketen und Reichweite

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Die ukrainische Militärgeheimdienstbehörde HUR testet an einem geheimen Ort am Dnipro Wasser- und Flugdrohnen, während ihre Spezialeinheit den russischen Krieg auf See mit immer neuen Mitteln unter Druck setzt. Im Zentrum steht dabei die Katran X1.2, ein neun Meter langes Drohnenboot mit 350 PS, das im Herbst von einer 15-köpfigen Besatzung eingesetzt wurde.

Die Daten, die jetzt öffentlich gemacht wurden, lesen sich wie das Lastenheft für einen neuen Typ Kriegsschiff. Die Katran X1.2 kann bis zu 1.600 Kilometer weit fahren, als Kamikaze-Drohne eingesetzt werden und zwei R-73-Kurzstreckenraketen tragen, mit denen Hubschrauber und Kampfflugzeuge bekämpft werden können. Außerdem verfügt das Boot über Startvorrichtungen für Flugdrohnen, darunter -Abfangdrohnen; bis zu 27 dieser Drohnen können von Bord aus gestartet werden, um Shahed-Drohnen zu stoppen.

Die Black Sea Legion gehört zur HUR-Spezialeinheit und führt maritime Operationen aus. Im November bestätigte die Einheit offiziell Angriffe auf mehrere russische Öl- und Gasplattformen, die Moskau als Militärbasen nutzte. Russland soll seit Beginn seiner fast 30 Schiffe verloren haben, und die neuen Systeme sind Teil eines Ansatzes, der den Druck auf russische Kräfte nicht nur zur See, sondern auch aus der Luft und an Land erhöhen soll.

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In diesem Gefüge liegt der eigentliche Fortschritt nicht allein in der Reichweite, sondern in der Kombination. Unbemannte Schiffe und Abfangdrohnen werden als technologische und taktische Neuheit in der modernen Kriegsführung beschrieben. Nach ukrainischer Darstellung nutzen Shahed-Drohnen oft ukrainische Flüsse als Routen, bevor sie zivile Infrastruktur in Kyjiw und anderen Städten angreifen. Genau dort setzt das System an: Die Flugdrohnen können gegnerische Radarsysteme angreifen, bevor das Wasserfahrzeug selbst gegen Ölplattformen und Kriegsschiffe eingesetzt wird.

Auch an Land hat sich der Krieg verschoben. Mit Mittelstrecken-Drohnen hat die Ukraine die tödliche Frontzone von 20 auf 50 Kilometer erweitert, und russische Nachschublinien in bis zu 150 Kilometern Entfernung liegen inzwischen im Bereich dieser Waffen. Seit Januar gehen die russischen Geländegewinne zurück; im April verlor Russland erstmals seit 2023 wieder mehr Gebiet, als es eroberte. Für Moskau ist das mehr als ein taktischer Rückschlag. Es zeigt, dass die Ukraine mit wenig Personal und viel Technik die Kosten des Krieges an mehreren Stellen gleichzeitig erhöht.

Die Black Sea Legion zählt zu den innovativsten und zugleich diskretesten Einheiten der Ukraine. Ihr Ansatz ist kein einzelner Schlag, sondern ein System aus See-, Luft- und Bodenkomponenten, das russische Angriffe abfangen und Gegenangriffe wahrscheinlicher machen soll. Die Katran X1.2 ist damit nicht nur ein neues Boot, sondern ein Hinweis darauf, wohin sich dieser Krieg bewegt: weg von der reinen Masse, hin zu Waffen, die weit reichen, schwer zu fassen sind und mehr als eine Front zugleich verändern.

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