Mossul, die historische Metropole im Norden des Irak, wird nach Jahren der Zerstörung neu aufgebaut. In der vom sogenannten Islamischen Staat verwüsteten Altstadt, die 2017 in Trümmern lag, sind Bewohner der Stadt dabei, große Wahrzeichen wie die Große Al-Nuri-Moschee, die Al-Tahira-Kirche, die Mar-Toma-Kirche und das schiefe Al-Hadba-Minarett wiederherzustellen.
Unterstützt werden sie von Fachleuten, Architekten, Archäologen, Restauratoren und Hilfsorganisationen aus aller Welt. Die Arbeiten laufen seit acht Jahren und machten den sechsjährigen Bauplatz von 2019 bis 2025 zu einem der größten Wiederaufbauprogramme der Welt. Dass dieser Prozess heute wieder im Fokus steht, liegt auch an dem neuen Dokumentarfilm der französischen Produktion von 2025 mit einer Laufzeit von 85 Minuten, den Aurine Crémieu gedreht hat.
Die Bedeutung von Mossul reicht weit über die Sanierung von Steinen hinaus. Die Stadt am Tigris galt lange als Schmelztiegel von Religionen und als Ort, an dem Christen, Juden, Jesiden und Muslime zusammenlebten. Genau dieses vielschichtige Erbe wurde durch die drei Jahre der IS-Besatzung und die Zerstörung der Altstadt getroffen. Der Wiederaufbau zielt deshalb nicht nur auf Gebäude, sondern auf die Rückkehr der historischen Identität und des kulturellen Erbes der Stadt.
Während Mauern, Gewölbe und Minarette neu entstehen, kommen bei den Arbeiten auch Assyrische Relikte, verborgene Räume, illegale Malereien und neue Datierungen ans Licht. Das macht aus der Baustelle zugleich eine archäologische Entdeckung. Die Rekonstruktion hat außerdem handwerkliche Traditionen und alte Materialien für irakische Handwerker wiederbelebt. Jüngere Arbeiter haben neue Berufe gelernt und in ihrer Stadt wieder eine Perspektive gefunden.
Gerade darin liegt die Spannung dieses Wiederaufbaus. Mossul wird nicht einfach repariert, sondern neu gelesen: als Ort, dessen Vergangenheit unter Schutt begraben war und nun Schicht für Schicht wieder sichtbar wird. Nach acht Jahren Arbeit ist die entscheidende Frage nicht mehr, ob die Stadt zurückkehrt, sondern wie viel von ihrem alten kulturellen Kern noch erhalten werden kann, wenn die letzten großen Arbeiten abgeschlossen sind.

