Mercedes geht mit dem älteren AMG GT3 beim 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring 2026 wieder einen anderen Weg. Nach einer umfangreichen Analyse des eigenen Tempos und mehrerer Tests im Frühjahr mit bis zu drei Autos gleichzeitig auf der Strecke stellt der Hersteller das Fahrzeug auf ein Mittelabtriebs-Setup um und erhöht den Grundwinkel des Heckflügels von 1 Grad auf 5 Grad.
Stefan Wendl sagte dazu: „Wir haben das wirklich in Tiefe analysiert, woran es liegt.“ Die Auswertung habe ergeben, dass die Konkurrenz mit neuen Autos und Evo-Modellen seit Jahren Schritt für Schritt in einen Arbeitsbereich gekommen sei, in dem Mercedes früher selbst gelegen habe. „Wir haben Autos verloren in den vergangenen Jahren, und uns hat die Pace gefehlt“, sagte Wendl weiter. Für 2026 soll das Auto deshalb wieder mehr Vertrauen geben, die Reifen besser arbeiten lassen und insgesamt besser fahrbar sein.
Für Mercedes ist das kein kleiner Eingriff, sondern ein Eingeständnis, dass der AMG GT3 an seine Grenze gekommen ist. Das Modell wurde Ende 2015 eingeführt, der letzte größere Evo-Schritt kam 2020. Seit dem Gesamtsieg 2016 hat Mercedes das 24h-Rennen am Nürburgring nicht noch einmal gewonnen, auch wenn 2023 die Pole Position und am Ende Platz drei heraussprangen. In einer Klasse, in der Rivalen regelmäßig neue Autos oder Weiterentwicklungen bringen, ist das ein harter Maßstab.
Genau deshalb hat Mercedes nach eigener Darstellung die bisherige Abstimmung neu bewertet. Früher setzte das Team eher auf wenig Abtrieb, um auf der langen Döttinger Höhe weniger zu verlieren. Doch dieser Ansatz machte den Wagen über die volle Runde in den vergangenen Jahren weniger konkurrenzfähig. Wendl sagte dazu: „Letztes Jahr waren wir auch nicht mehr auf die Rundenzeit konkurrenzfähig.“ Und: „Dementsprechend haben wir nach der Analyse uns dafür entschieden, auf mittleren Abtrieb zu wechseln.“
Der Zusammenhang ist besonders für das Rennen 2026 wichtig, weil das Wetter am Nürburgring in der frühen Mai-Ausgabe als kalt und feucht beschrieben wird. Unter solchen Bedingungen zählt Fahrbarkeit oft mehr als ein kleiner Vorteil auf der Geraden. Mercedes rechnet sich deshalb mit dem neuen Paket bessere Balance und mehr Vertrauen am Limit aus. Wendl fasste das so zusammen: „Alleine daher war der Ansatz, jetzt mit mehr Downforce zu fahren, höhere Fahrbarkeit zu erreichen, das Auto nicht ganz so empfindlich zu machen.“ Und weiter: „Wir denken, dass wir damit das Vertrauen reinkriegen, die Reifen besser zum Arbeiten bekommen und insgesamt das Auto von der Fahrbarkeit auch wieder dazugewinnen.“
Ein Sonderfall bleibt dabei Max Verstappen’s Auto, das zusätzlich noch eine besondere Modifikation erhält, ohne dass Mercedes diesen Zusatz bisher näher erklärt hat. Für den Start in das 24-Stunden-Rennen 2026 ist die Linie des Herstellers dennoch klar: mehr Abtrieb, mehr Stabilität, mehr Kontrolle. Ob der betagte AMG GT3 damit noch einmal ganz nach vorn fahren kann, entscheidet sich dort, wo Mercedes seit 2016 wieder auf einen echten Gesamtsieg wartet.

