Josué Duverger steht im WM-Kader Haitis und erlebt damit einen Sprung, wie ihn im deutschen Fußball der fünften Liga kaum jemand macht. Der 26 Jahre alte Torhüter von FC Cosmos Koblenz ist Teil des Aufgebots für die Fußball-Weltmeisterschaft in den USA, Mexiko und Kanada.
Für Koblenz ist die Nominierung mehr als eine Randnotiz. Der Club schrieb auf seiner Homepage, das sei „eine große Ehre für unseren Verein und ein stolzer Moment für die gesamte Gemeinde“. Dazu erinnerte der Verein daran, dass Duverger und die Mannschaft in diesem Jahr gemeinsam in die Oberliga aufgestiegen sind. Nach 32 Spieltagen steht Cosmos in der Oberliga Rheinland-Pfalz/Saar auf Platz neun, am Sonntag wartet FV Engers 07.
Duverger selbst sprach von gemischten Gefühlen. „Es ist immer noch schwierig, jede Menge Emotionen“, sagte er. Die WM-Nominierung sei „ein sehr großer Erfolg in meiner Karriere“. Er habe es noch nicht ganz realisiert, sagte der Torhüter, glaube aber, dass ihm die Bedeutung des Moments näher komme, je näher der Wettbewerb rückt. Nervös sei er trotz des riesigen Wechsels von der deutschen 5. Liga auf die große Bühne in Nordamerika nicht.
Dass Haiti überhaupt wieder bei einer Endrunde dabei ist, macht die Berufung zusätzlich besonders. Das Land hat sich erstmals seit 1974 wieder für eine Weltmeisterschaft qualifiziert. Duverger ist dort als dritter Torhüter eingeplant. Er kam bislang auf ein Länderspiel in der WM-Qualifikation und hat seit seinem Debüt 2018 sechs Länderspiele für Haiti bestritten.
Der Weg dorthin erzählt auch von einem ungewöhnlichen Karriereverlauf. Duverger wurde in Kanada geboren, hat aber haitianische Wurzeln. Bevor er nach Koblenz kam, spielte er in Portugal. Über den Wechsel nach Deutschland sagte er, im Vergleich mit Portugal sei es „sehr, sehr kalt“, aber das gefalle ihm. Koblenz sei eine ruhige Stadt, schön am Rhein gelegen.
Für Haiti beginnt das Turnier in Gruppe C mit Spielen gegen Schottland, Brasilien und Marokko. Für Duverger ist die Nominierung vor allem der Beleg, dass sich ein Weg aus der regionalen Liga bis auf die Weltbühne öffnen kann. Er sagte dazu, am Ende sei es einfach Fußball, nur auf einer anderen Bühne. In seinem Fall führt diese Bühne nun von Koblenz direkt zur Weltmeisterschaft.
