Die globalen Meerestemperaturen haben im März und April 2026 an mehreren Tagen bereits die Höchstwerte von 2024 übertroffen. Nach Daten der Plattform Climate Reanalyzer der University of Maine lag auch die globale mittlere Oberflächentemperatur an mehreren Tagen über den bisherigen Spitzenwerten.
Für Helge Gößling ist das kein Ausreißer, sondern ein Signal, das an das Frühjahr 2023 erinnert. Damals begannen die globalen Meerestemperaturen, frühere Rekorde mit immer größerem Abstand zu übertreffen. Jetzt, sagte Gößling, lägen die Werte schon spürbar über 2023 und gleichauf mit den bisherigen Rekorden von 2024, die mit dem El-Niño-Ereignis von 2023/24 zusammenfielen. Seine Einordnung ist knapp: „Absolut erwartbar“.
Climate Reanalyzer erfasst seit rund vier Jahrzehnten globale und regionale Tageswerte und macht damit sichtbar, wie schnell sich die Wärme in den Ozeanen aufbaut. Die Entwicklung im Frühjahr 2026 steht in einer Reihe von Messungen, die zeigen, dass die Ozeane nicht nur einzelne Hitzephasen registrieren, sondern einen länger laufenden Trend nach oben. Nach der aktuellen Lage ist das nicht als einmaliger Ausschlag zu lesen, sondern als Teil eines fortgesetzten Erwärmungspfads.
Dass die Meere besonders stark reagieren, hat einen einfachen Grund: Sie nehmen seit Jahrzehnten den größten Teil der zusätzlichen Wärme auf, die durch den Anstieg der Treibhausgase in der Atmosphäre festgehalten wird. Mojib Latif sagte dazu, die Meere fungierten als gewaltiger Wärmepuffer und nähmen rund 90 Prozent dieser Wärme auf. Zugleich sei die Gesamttemperatur der Ozeane im Zuge der Klimakrise stetig auf Rekordjagd. Wenn die Meere wärmer sind, fällt auch ein El-Niño-Ereignis in einer ohnehin aufgeheizten Welt stärker aus, sagte Latif.
Der Pazifik vor der Küste Kaliforniens und Mexikos ist nach diesen Angaben derzeit besonders stark aufgeheizt. Für die globalen Werte bedeutet das aber noch nicht automatisch einen klaren Schub durch das beginnende natürliche Klimaphänomen El Niño. Gößling sieht den Einfluss derzeit noch nicht eindeutig, obwohl die Rekordnähe der Messwerte bereits da ist. „Dass die Meere insgesamt über dem langjährigen Mittel bleiben, ist absolut erwartbar“, sagte er. „Vielmehr sind wir auf absehbare Zeit auf einem stetigen Erwärmungspfad.“
Die eigentliche Nachricht für diesen Frühling ist damit nicht nur, dass ein Rekord möglich bleibt. Sie ist, dass Rekordwerte inzwischen so früh im Jahr wieder in Reichweite sind, dass selbst ein noch nicht klar ausgeprägter El Niño die Lage kaum erklären muss. Die Hitze in den Ozeanen folgt längst einer Entwicklung, die sich ohne Pause nach oben schiebt, und die Meere liefern mit jedem neuen Messpunkt den Beleg dafür.
