Deutschland trifft am 15.05.2026 um 19.30 Uhr in Kopenhagen auf Dänemark. Zwei Tage später stehen sich beide Teams um 15.30 Uhr in der Kölner Arena erneut gegenüber, und für das DHB-Team sind es Spiele mit Gewicht: Gegen die Dänen hat Deutschland seit mehr als zehn Jahren nicht mehr gewonnen.
Die Ausgangslage ist klarer als sonst, weil Dänemark nicht irgendein Gegner ist, sondern aktueller Europameister, Weltmeister und Olympiasieger. Deutschland verlor das EM-Finale am 1. Februar mit 27:34 und schon das Olympia-Finale von Lille am 11. August 2024 mit 26:39. Juri Knorr, der am 9. Mai 26 Jahre alt wurde, formulierte die Hoffnung dennoch offen: Die Dänen seien derzeit die Besten der Welt, sagte der Rückraumspieler sinngemäß, aber man wolle sie eines Tages vom Thron stoßen.
Knorr hat den Gegner nicht nur im Videostudium vor Augen. Der Spielmacher wechselte im vergangenen Sommer von den Rhein-Neckar Löwen zu Aalborg Handbold in die dänische Liga und kennt damit einen Teil des Maßstabs aus dem Alltag. Vor dem jüngsten EM-Duell in Herning hatte Dänemarks Trainer Nikolaj Jacobsen zudem betont, er sehe in Deutschland viele hervorragende Spieler, die noch große Jahre vor sich haben. Nach diesem Urteil bleibt für das DHB-Team vor allem eines: Anschluss finden, bevor die Heim-WM vom 13. bis 21. Januar 2027 beginnt.
Genau darin liegt der eigentliche Wert der beiden Testspiele. Bundestrainer Alfred Gislason beschrieb den Weg der Deutschen zuletzt als Annäherung an die Dänen mit einer sehr jungen, sehr talentierten Mannschaft und sagte sinngemäß, der deutsche Handball liege bei einer Betrachtung der vergangenen fünf Jahre hinter Dänemark auf Platz zwei. Solche Spiele brächten sein Team am meisten voran, weil man darin schneller und besser lerne. Für die WM im eigenen Land soll das DHB-Team im Vorfeld bereits Eindruck schinden, nicht erst im Januar 2027.
Gleichzeitig liefert der Gegner selbst einen weiteren Grund, warum die Termine in Kopenhagen und Köln nicht als bloße Freundschaftsspiele durchgehen. Dänemark reist mit einer Bilanz an, die den Abstand nach oben in dieser Sportart immer wieder sichtbar macht. Und doch hat die jüngere Vergangenheit gezeigt, dass selbst die beste Mannschaft unter Druck geraten kann: Portugal schlug die Dänen bei der EM am 21. Januar mit extrem aggressivem Tempospiel und harter Abwehrarbeit. Genau solche Referenzen braucht Deutschland, wenn es die Lücke nicht nur messen, sondern schließen will.
Auch für Knorr ist die Phase eng getaktet. Aalborg trifft am 20. und 23. Mai im Halbfinale der dänischen Meisterschaft auf GOG Handbold, danach folgt für den Klub das Final Four der Champions League, in dessen Halbfinale der FC Barcelona wartet. Das sorgt für einen Kalender, in dem die Belastung hoch bleibt und die direkten Duelle mit Dänemark noch mehr Aussagekraft bekommen. Was sich in Kopenhagen und Köln zeigt, wird deshalb mehr sein als ein Zwischenstand. Es wird ein Test dafür, ob Deutschland dem Maßstab Dänemark näherkommt oder ob der Abstand vor der Heim-WM weiter spürbar bleibt.
