Das zweite ESC-Halbfinale am Donnerstag lief in Wien deutlich runder als der erste Durchgang am Dienstag. Victoria Swarovski und Michael Ostrowski wirkten auf der großen Stadthalle-Bühne sicherer, die Show griff besser ineinander, und vor allem die Moderatorin trat spürbar entspannter auf.
Beim ersten Halbfinale am Dienstag hatte das Moderationsteam noch nicht ganz auf der Bühne angekommen gewirkt. Nicht alle Witze zündeten, manche Pointen schienen zu gewollt. Am Donnerstag war davon wenig zu merken. Swarovski führte nüchtern durch den Abend, wirkte sympathisch und locker. Ostrowski lieferte genau das, was man von ihm erwarten durfte: Er nahm die ironischen Untertöne auf und spielte sie sauber aus. Das Publikum bekam damit jene Art von Auftritt, die nicht laut sein muss, um zu funktionieren.
Auch einzelne Nummern machten den Unterschied. Die Wasted-Love-Parodie zu Beginn war technisch gelungen und setzte früh einen brauchbaren Ton. Noch mehr Stimmung brachte das I’m So Excited-Segment vor der Abstimmung; es erzeugte mehr Atmosphäre als viele der eigentlichen ESC-Beiträge. Der Kontrast zum Dienstag war damit deutlich, denn das erste Halbfinale war insgesamt etwas uneben verlaufen, mit einem Moderatorenduo, das auf der Stadthalle-Bühne noch nach dem richtigen Takt suchte.
Der Vergleich zwischen Dienstag und Donnerstag erzählt deshalb mehr als nur etwas über zwei Fernsehshows. Er zeigt, wie stark der Song Contest von Timing, Haltung und Präsenz lebt, wenn die Nummern selbst nur ein Teil des Abends sind. Genau dort hatte sich am Donnerstag auch Andi Knoll, der von vielen als Mr. Song Contest bezeichnet wird, mit Hintergrund und persönlichem Eindruck eingeschaltet. In einem STANDARD-Chat sagte er, er habe seine „seine Hausübung“ gemacht. Für das zweite Halbfinale klang das nicht wie eine Floskel, sondern wie ein Urteil über einen Abend, der endlich saß.
Am Ende bleibt der Eindruck, dass die zweite Halbfinal-Show in Wien die erste klar übertraf: weniger holprig, pointierter und mit einem Moderationsteam, das seine Rollen diesmal gefunden hatte. Für das Publikum war das der entscheidende Unterschied.

