Der Streit um zwei der bekanntesten Zelte auf dem Oktoberfest kommt am 19. Mai vor die Vergabekammer Südbayern. Es geht darum, ob das Paulanerzelt und die Schottenhamel-Festhalle EU-weit ausgeschrieben werden müssen.
Betroffen sind die Betreiber Lorenz Stiftl und Christian Schottenhamel. Ausgelöst hat das Verfahren Alexander Egger von der Münchner Stubn, der die Vergabe der großen Wiesn-Zelte angegriffen hat.
Für die Stadt München ist das mehr als ein Formalstreit. Sie warnte, ein normales Gerichtsverfahren dauere „wäre mit einer Verfahrensdauer von regelmäßig nicht unter sechs (bis zu circa neun) Monaten zu rechnen“, und könne damit bis mindestens Dezember reichen. Wiesn 2026 wäre dann längst vorbei. Die Stadt hält deshalb selbst für möglich, dass sie am Ende keine Verträge mit Stiftl und Schottenhamel unterschreiben darf, solange nicht alles entschieden ist.
Die Vergabekammer Südbayern soll nach Angaben der Stadt bis Ende Mai entscheiden. Bis dahin gilt ein Zuschlagsverbot. Sollte Egger gewinnen und die Stadt sofort beim Bayerischen Obersten Landesgericht Beschwerde einlegen, würde sich der Streit im Juni fortsetzen. Die Stadt sagte dazu, das Zuschlagsverbot „gölte das Zuschlagsverbot auch in der Beschwerdeinstanz fort“.
Wenn dagegen die Stadt obsiegt, dürfte Egger voraussichtlich ebenfalls sofort Beschwerde einlegen. Dann müsste ein Richter entscheiden, ob das Zuschlagsverbot weiter gilt. Hebt er es auf, könnten Stiftl und Schottenhamel ihre Verträge noch in diesem Jahr unterschreiben und ihre Zelte betreiben. Bleibt die Sperre bestehen, gibt es bis zur Entscheidung der Richter keine Verträge mit Schottenhamel und Paulaner.
Dass der Fall juristisch Neuland betritt, sagte auch Vergabe-Experte Christian Kokew. „Wie die Richter über diesen Antrag entscheiden werden, ist eine unheimlich spannende Frage. Es gibt zu dieser Regelung wenig Rechtsprechung“, sagte er. „Es ist nicht ausgeschlossen, dass das Zuschlagsverbot bestehen bleibt.“
Hinter dem Konflikt steht ein Kernstück der Münchner Wiesn-Tradition. Seit 1950 eröffnet der Münchner Oberbürgermeister das Oktoberfest im Schottenhamel-Zelt mit dem ersten Fassanstich. Genau deshalb hat der Streit über die Zukunft von Paulanerzelt und Schottenhamel-Festhalle Gewicht weit über eine bloße Vergabeentscheidung hinaus.
Die entscheidende Frage ist damit nicht mehr, ob der Fall vor Gericht landet. Das ist bereits geschehen. Entscheidend ist, ob die Stadt rechtzeitig Klarheit bekommt, bevor die nächsten Verträge geschlossen werden müssen — oder ob die beiden prominenten Zelte vorerst in der Schwebe bleiben.
