Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas will im Juni einen Entwurf für ein neues Arbeitszeitgesetz vorlegen, das den Acht-Stunden-Tag abschafft. Statt der täglichen Höchstarbeitszeit soll nach den Plänen eine wöchentliche Grenze gelten, die sich an 48 Stunden orientiert.
Für Beschäftigte ist das kein Randthema, sondern eine Frage von Alltag und Belastung. Eine WSI-Studie mit Angaben von rund 1.900 Arbeitnehmern zeigt, dass 59 Prozent ausschließlich mehr Zeit bevorzugen würden. Weitere 6 Prozent entschieden sich für eine Kombination aus mehr Zeit und Geld, 35 Prozent für mehr Geld allein.
Die politische Debatte trifft auf eine Arbeitswelt, in der die bestehenden Regeln schon heute vergleichsweise weit reichen. Nach der geltenden Gesetzeslage sind bis zu zehn Stunden Arbeit am Tag möglich, Schichtdienste und Nachtarbeit ebenso wie Sonntagsarbeit sind nicht verboten. Zugleich meldet die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, dass jeder zehnte Vollzeitbeschäftigte mehr als 48 Stunden pro Woche arbeitet.
Der Koalitionsvertrag von CDU/CSU und SPD sieht Neuregelungen zur Arbeitszeit vor, und genau dort setzt der Entwurf an. Arbeitszeit soll nicht länger nur über den einzelnen Tag gemessen werden, sondern über die Woche. Damit würde der rechtliche Rahmen verschoben, ohne dass jede einzelne längere Schicht automatisch verboten wäre.
Wie groß die Spannungen in den Betrieben schon jetzt sind, zeigt ein weiterer Befund der Studie: In entsprechenden Betrieben entscheiden sich 71 Prozent für eine zeitliche Entlastung, wenn das Arbeitsklima als sehr belastend empfunden wird. Das spricht dafür, dass die Frage nach Arbeitszeit nicht nur mit Lohn zu tun hat, sondern mit Erschöpfung, Planung und Gesundheit.
Auch die Arbeitgeberseite drängt auf mehr Flexibilität. Bertram Brossardt sagte, man müsse raus aus dem Korsett der Tagesarbeitszeit und hin zu einer flexibler gestaltbaren Arbeitszeit von durchschnittlich bis zu 48 Wochenstunden. Die europäische Arbeitszeitrichtlinie lasse diesen Spielraum ausdrücklich. Damit steht die Regierung vor der Aufgabe, ein Modell zu finden, das wirtschaftliche Flexibilität erlaubt und dennoch Grenzen setzt, die im Arbeitsalltag nachvollziehbar bleiben. Im Juni wird sich zeigen, ob Bas genau diesen Ausgleich gesetzlich festschreibt.
