Hessen stellt die Besoldung seiner Beamten auf Druck des Bundesverfassungsgerichts neu auf und hebt die Bezüge von 110.000 Beamtinnen und Beamten sowie rund 87.000 Pensionären in zwei Stufen an. Ab Juli gibt es monatlich 3,02 Prozent mehr Geld, mindestens aber 110 Euro zusätzlich; im Oktober 2027 sollen weitere 2,8 Prozent folgen.
Der Gesetzentwurf der schwarz-roten Koalition sieht vor, das Tarifergebnis für den Öffentlichen Dienst auf die Grundgehälter der Beamtenschaft zu übertragen. CDU-Innenminister Roman Poseck präsentierte den Entwurf am Mittwoch in Wiesbaden. Er soll in der kommenden Woche im Landtag in erster Lesung beraten werden. Für Hessen geht es dabei nicht nur um mehr Geld, sondern um eine grundlegende Umstellung der Berechnung, die nach langem Streit gerichtsfest werden soll.
Künftig soll eine angemessene Versorgung nicht mehr nach dem klassischen Modell eines Haushalts mit einem Alleinverdiener berechnet werden. Stattdessen will das Land ein Familieneinkommen als Maßstab heranziehen. Grundlage soll das Potenzial an Einkommen sein, das ein Modell-Haushalt mit einem zweiten Erwachsenen hat, der ebenfalls Geld verdient. Außerdem soll der Zuschlag für die ersten beiden Kinder jeweils um 87 Euro im Monat steigen. Beamte der A-Besoldung sollen mit einem höheren Grundgehalt einsteigen, auch die Schichtzulagen sollen entsprechend dem Tarifergebnis für den Öffentlichen Dienst erhöht werden.
Die Neuregelung folgt auf jahrelangen juristischen Streit. Das Verwaltungsgericht Kassel hatte schon 2021 die bis dahin praktizierte Besoldung in Hessen als verfassungswidrig bewertet und festgestellt, dass der Abstand zur Grundsicherung in mehreren Gruppen über Jahre zu klein gewesen sei. Im September 2025 setzte dann ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur Bezahlung der Berliner Beamten die anderen Bundesländer zusätzlich unter Zugzwang. Hessen will nun verhindern, dass die eigene Besoldung weiter angreifbar bleibt.
Poseck sagte bei der Vorstellung des Entwurfs, mit dem Gesetz gehe das Land an seine Leistungsgrenze. Der Konsolidierungsdruck sei groß, und die zusätzlichen Kosten für die Beamten bezifferte das Land auf 750 Millionen Euro jährlich. Größere Beträge wären nach seinen Worten „eine schwere Hypothek für nachfolgende Generationen“; Neueinstellungen müssten dann aus Kostengründen „massiv eingeschränkt werden“. Mit der Erhöhung zum 1. Juli komme das Land auf ein Plus von fast 14 Prozent innerhalb von knapp anderthalb Jahren.
Der Deutsche Beamtenbund Hessen und der DGB Hessen-Thüringen begrüßten grundsätzlich die Übernahme des Tarifergebnisses mit einem Gehaltszuwachs von insgesamt 5,8 Prozent. Ob die neue Berechnungsmethode den jahrelangen Streit wirklich beendet, entscheidet sich nun im Landtag und am Ende erneut an der juristischen Belastbarkeit des Modells. Genau darauf zielt die Reform: Die beamtenbesoldung dobrindt soll in Hessen nicht nur teurer, sondern vor allem verfassungssicher werden.
