Altersarmut ist für viele Menschen in Deutschland längst kein Randthema mehr. In einer von YouGov im Auftrag von Lichtblick Seniorenhilfe beauftragten repräsentativen Umfrage unter 2.178 Wahlberechtigten sagten 88 Prozent, Altersarmut sei ein großes Problem. 92 Prozent erwarteten, dass sich das Problem in den kommenden zehn Jahren noch verschärft.
Die Sorge reicht dabei weit in die eigene Lebensplanung hinein. 70 Prozent der Befragten gaben an, bereits um ihre finanzielle Sicherheit im Ruhestand besorgt zu sein. Bei den 40- bis 49-Jährigen lag der Anteil derer, die sich sehr sorgen, bei 42 Prozent. Gleichzeitig nannten 73 Prozent mindestens 1.500 Euro netto im Monat als Untergrenze, die man im Alter brauche. Für Alleinstehende lag die armutsgefährdungsschwelle 2025 bei 1.446 Euro netto.
Besonders deutlich ist der Druck auf Frauen. 51 Prozent der weiblichen Befragten bewerteten Altersarmut als sehr großes Problem, bei den Männern waren es 43 Prozent. Auch die eigene Lage wurde von 37 Prozent der Frauen und 32 Prozent der Männer als sehr sorgenvoll beschrieben. Die Zahlen treffen auf eine Realität, die auch amtliche Daten seit Jahren bestätigen: Laut Angaben des Statistischen Bundesamts waren 2025 mehr als ein Fünftel der Menschen über 65 im Vorjahr von Armut bedroht, bei Frauen über 65 sogar jede vierte.
Die Umfrage fällt mitten in eine laufende Rentendebatte in Deutschland. 65 Prozent der Befragten sagten, der Staat sei für die Bekämpfung von Altersarmut verantwortlich, 25 Prozent stellten die persönliche Verantwortung an erste Stelle. Eine weitere Anhebung des Rentenalters lehnten 73 Prozent ab. Mehrheitsfähig war dagegen ein staatlich gefördertes Rentensparprodukt: 56 Prozent sprachen sich dafür aus.
Lydia Staltner von Lichtblick Seniorenhilfe machte in der Mitteilung deutlich, wie dringend das Thema aus ihrer Sicht ist. Sie sagte, Altersarmut sei kein Einzelfall mehr und für viele Menschen eine reale Angst; die Politik dürfe darauf nicht mit Vertröstung reagieren. Wer 40 Jahre arbeite, dürfe im Alter kein Bittsteller sein, sagte sie weiter. Dass 12 Prozent der Befragten angaben, im Fall eigener Altersarmut keine Hilfe annehmen zu wollen, verweist auf eine zweite Seite des Problems: Scham hält manche davon ab, Unterstützung zu suchen, selbst wenn sie nötig wäre.
Die Daten zeigen, dass Altersarmut längst nicht nur dort sichtbar wird, wo die Armutsgrenze statistisch überschritten wird. In Bayern erhielten fast drei Viertel der Rentnerinnen weniger als 1.200 Euro im Monat, bei den Männern waren es rund 40 Prozent. Mehr als 145.000 ältere Menschen mussten zudem auf Unterstützung zurückgreifen. Für die politische Debatte heißt das: Es geht nicht mehr um die Frage, ob Altersarmut ein Thema ist. Die Umfrage legt nahe, dass die Mehrheit der Wähler sie bereits als drängende Realität begreift — und vom Staat klare Antworten erwartet.

