Jorge Quiroz hat die Megareform am Mittwoch nicht nur verteidigt, sondern politisch aufgeladen. In einem Interview mit Radio Duna sagte der Finanzminister, dahinter stehe eine „batalla cultural“ und vor allem ein „cambio de relato“: eine neue Erzählung darüber, wie Staat, Steuern und Unternehmertum in Chile funktionieren sollen.
Dass diese Einordnung gerade jetzt Gewicht hat, liegt an der laufenden Debatte um die Megareform. Quiroz wiederholte seine Linie später in der Finanzkommission des Senats und anschließend vor der Presse. Er machte damit klar, dass es ihm nicht nur um ein Gesetzesvorhaben geht, sondern um die Frage, welche wirtschaftlichen Gewohnheiten und welches öffentliche Klima sich ändern sollen.
Quiroz sagte, die Regierung suche eine Kultur des pünktlichen Zahlens, der Haushaltsdisziplin, der Einhaltung von Verpflichtungen und eines Staates, der private Initiative nicht erdrückt. Zugleich warnte er davor, dass Chile sich seit Jahren an eine andere Erzählung gewöhnt habe: mehr Regulierung, weniger Ertrag, höhere Steuern und eine politische Sprache, die Gesellschaft vor allem als Gegenüber von Reich und Arm beschreibt. Wachstum, so seine Botschaft, sei von Kultur nicht zu trennen. Die Grundlagen dafür seien eine größere Freiheit zu erlauben, also unternehmerisch zu handeln, ohne große Schranken, aber mit Rechtssicherheit, öffentlicher Ordnung und Umweltschutz.
Der Widerspruch liegt in seiner eigenen Formulierung. Quiroz sagte, niemand ändere eine Kultur mit einer Reform oder einem Gesetz. Gleichzeitig stellte er die Megareform als Teil genau dieses kulturellen Wandels dar. Für ihn müsse Unternehmertum Ertrag und Nutzen bringen und nach Steuern frei verfügbar sein; zu hohe Abgaben trieben Menschen dorthin, wo die Rendite besser sei. Er warnte auch vor einer Kultur, die Unternehmertum abwerte und das öffentliche Gespräch dauerhaft auf Reiche gegen Arme verenge.
Offen bleibt damit vor allem, welche konkreten Punkte der Megareform diesen Anspruch tragen sollen. Quiroz hat die Richtung beschrieben und den Ton vorgegeben. Ob daraus ein Gesetzespaket entsteht, das diese „cambio de relato“ tatsächlich übersetzt, wird der weitere Gang im Parlament zeigen.

