Die Postsparkasse am Georg-Coch-Platz steht nach dem Konkursverfahren über die Eigentümerin Georg-Coch-Platz Immobilien GmbH & GmbH OG nun im Zentrum der Verwertung. Bei der ersten Tagsatzung am Handelsgericht Wien wurden Forderungen von rund 324 Millionen Euro angemeldet. Mehr als die Hälfte davon wird derzeit noch bestritten.
Für Gläubiger ist das der entscheidende Schritt in einem Verfahren, das nun in die konkrete Vermarktung eines der bekanntesten Wiener Jugendstilbauten übergeht. Stephan Mazal, der mit der Abwicklung betraute Masseverwalter, beschreibt die Verwertung des Gebäudes als zentrale Aufgabe. Nach einem aktuellen Schätzgutachten soll ein Immobilienmakler beauftragt werden; ein Termin für einen Verkauf ist noch nicht genannt.
Das Interesse ist bereits da. Als Kaufinteressenten sind bisher die Pfandgläubigerin R+V und die Baurechtsnehmerin BIG an den Masseverwalter herangetreten. Verkauft werden dürfte das Gebäude damit nicht im luftleeren Raum, sondern in einem Verfahren, in dem über den Wert und die Ansprüche erst noch gerungen wird.
Die Georg-Coch-Platz Immobilien GmbH & GmbH OG ist eine mittelbare Tochter der insolventen Signa Prime Selection AG und der Signa Prime Capital Invest GmbH. Das Unternehmen beschäftigt keine Mitarbeiter, doch die Dimension des Falls ist groß: Es geht um das achtgeschoßige Gebäude am Georg-Coch-Platz 2 im ersten Bezirk, das Otto Wagner zwischen 1904 und 1906 als k.k. Postsparcassen-Amt errichten ließ und das am 17. Dezember 1906 eröffnet wurde. Bis 2017 diente es als Zentrale der Bawag P.S.K., seit 2020 wird es als Wissenschaftscampus genutzt.
Genau darin liegt der Reiz und das Problem des Verfahrens. Ein architektonisches Meisterwerk des Wiener Jugendstils soll verwertet werden, während mehr als die Hälfte der angemeldeten Forderungen weiter bestritten bleibt. Wie hoch der Verkaufserlös am Ende ausfällt, ist offen. Für den Masseverwalter beginnt damit die eigentliche Bewährungsprobe.
