Tauernwetter hat die Regenwarnungen für weite Teile Kärntens und Osttirols auf Rot angehoben, für Teile Oberkärntens gilt sogar Violett. Auslöser sind neue Modellberechnungen und bereits gefallene große Regenmengen, die nach Einschätzung von David Kaufmann eine vorsorgliche Hochstufung nötig machen.
Gerade heute richtet sich der Blick auf die betroffenen Regionen, weil in den vergangenen 24 Stunden schon viel Wasser gefallen ist und noch einmal kräftiger Regen erwartet wird. In Weißensee kamen rund 75 Liter pro Quadratmeter zusammen, am Millstätter See und in Fresach jeweils etwa 60 Liter, im Gailtal rund 78 Liter. Für die nächsten Stunden sagen beide Wetterdienste bis zu weitere 50 Liter pro Quadratmeter voraus.
Kaufmann begründete die Anhebung mit einer neuen Auswertung des Modells des Deutschen Wetterdienstes, das in sehr kurzen Abständen mit aktuellen Messdaten gefüttert wird. Das System sei besonders geeignet, kurzfristig sehr dynamische Entwicklungen abzubilden, etwa die schnelle Bildung schwerer Gewitterzellen. Zusätzlichen Rückhalt gaben ihm nach eigenen Angaben die Echtzeitdaten des europäischen Radarverbunds Opera, die die Prognosen bestätigten. Aus dem Abgleich von hoher Modellauflösung und realen Radarbeobachtungen sei die vorsorgliche Ausweitung der Warnstufen erfolgt.
Die Lage ist dabei nicht nur wegen der Niederschlagsmenge kritisch, sondern auch wegen des Untergrunds. Die Böden in den betroffenen Regionen sind bereits stark gesättigt, und die tieferen Schichten seien sehr ausgetrocknet, sagte Kaufmann. Deshalb lasse sich nicht sicher vorhersagen, wie schnell sie das Wasser aufnehmen können. Ein sofortiger und massiver Oberflächenabfluss sei nicht auszuschließen, dazu komme die Gefahr von Überflutungen und Murenabgängen. Diese Sorge passt auch zu den Messwerten der vergangenen Stunden: Christian Stefan sprach im Gailtal von etwa 78 Litern pro Quadratmeter und nannte die Mengen der letzten 24 Stunden teilweise enorm.
Friedlicher klang die Einschätzung bei GeoSphere Austria trotzdem nicht, nur zurückhaltender. Dort wurde zwar ebenfalls mit starkem Regen gerechnet, eine breite Hochstufung blieb aber aus, weil die Marke von 100 Litern pro Quadratmeter nach Darstellung der Behörde erst nach mehr als 24 Stunden überschritten würde. Genau daran entzündet sich der Unterschied: Für Kaufmann erfüllen die erwarteten Mengen die Kriterien der höchsten Warnstufe klar, denn der Deutsche Wetterdienst setzt sie bei mehr als 80 Litern in 24 Stunden oder mehr als 90 Litern in 48 Stunden an.
Für manche Orte in Kärnten bekommt diese Schwelle zusätzliches Gewicht. Kaufmann sagte, dort habe es seit Beginn der historischen Aufzeichnungen 1961 noch nie einen täglichen Niederschlag von mehr als 100 Litern pro Quadratmeter gegeben. Ob diese Marke nun fällt, ist offen. Sicher ist nur, dass in den kommenden Stunden noch viel Regen nachkommen kann und die Behörden in Kärnten und Osttirol deshalb mit der gefährlichsten Phase noch nicht durch sind.
