Alkoholfreie Getränke sind 2026 in HoReCa kein Beiprodukt mehr. Sie prägen den Eindruck eines Restaurants oder einer Bar ebenso wie ein Cocktail oder ein Glas Wein, weil sie inzwischen über Geschmack, Präsentation und Auswahl mitentscheiden.
Der Grund, warum dieses Thema gerade jetzt so stark ins Blickfeld rückt, liegt in einem klaren Wandel bei den Gästen. Der weltweite Markt für alkoholfreie Getränke wird laut Precedence Research auf mehr als 1,39 Billionen Dollar geschätzt. Gleichzeitig achten nach einer ORO-Erhebung 40 Prozent der Befragten stärker auf die Zusammensetzung, und 35 Prozent haben ihren Konsum von Zucker, Salz und Fett reduziert. Für Bars und Restaurants ist das mehr als eine Nebenbewegung: Es verändert, was Gäste von einer Karte erwarten.
Über diese Verschiebung sprach Александр Ежов, der die Ursachen des Umbruchs im Markt beschreibt. Sein Blick passt zu einer Branche, in der alkoholfreie Angebote nicht mehr als Ersatzlösung laufen, sondern als Teil des Konzepts. In Menüs tauchen eigene Bereiche mit Getränken auf Basis saisonaler und lokaler Zutaten auf, dazu signierte Mocktails sowie Premium-Varianten von alkoholfreiem Wein und Bier. Die Getränke konkurrieren dabei längst mit klassischen alkoholischen Positionen bei Komplexität, Servierform und visueller Wirkung.
Besonders deutlich wird das bei jüngeren Gästen. Laut einer Quick-Resto-Studie verzichten 28 Prozent der Russen im Alter von 18 bis 27 Jahren bewusst auf Alkohol. Sie passen Treffen in Bars, Restaurants und Cafés an ihre Werte an und greifen häufiger zu Alternativen. Zugleich geht es nicht um einen vollständigen Abschied vom Alkohol: Ein Teil der Jüngeren setzt auf bewusstes Trinken und bestellt nur zu besonderen Anlässen. Genau diese Mischung macht den Markt schwerer kalkulierbar, aber auch spannender für die Gastronomie.
Für HoReCa bedeutet das: Wer heute nur Saft oder Wasser mit Sirup anbietet, bleibt hinter den Erwartungen zurück. Gäste wollen eine glaubwürdige, hochwertige Alternative, die den Abend trägt und nicht bloß Lücken füllt. Wie schnell Restaurants und Bars ihre alkoholfreien Karten wirklich ausbauen, bleibt die entscheidende Frage, denn der Trend ist da, aber die Umsetzung wird darüber entscheiden, wer daraus ein Erlebnis macht und wer nur ein zusätzliches Feld auf der Karte füllt.
