Matthew Campbells neues Buch The Man Who Stole the Gods rückt Douglas Latchford wieder in den Fokus. Die 2026 erschienene Studie zeichnet nach, wie der britische Händler geraubte Khmer-Statuen aus Kambodscha in westliche Kunstinstitutionen und Sammlungen schleuste.
Gerade jetzt wird der Name Camboya wieder gesucht, weil Campbell nicht nur eine Biografie vorlegt, sondern das Geflecht beschreibt, das diesen Handel möglich machte. Latchford war vor seinem Tod 2020 über Jahre wegen des groß angelegten Handels mit geplünderten kambodschanischen Altertümern in der Kritik, und Campbells Buch setzt den Zeitpunkt neu, an dem diese Geschichte sichtbar wird: mit einem frischen Blick auf die Strukturen hinter dem Raub.
Campbell beschreibt Latchford als jemanden, der Khmer-Skulptur als Luxusgut sah, das ausgebeutet werden konnte, und aus einem „intensiven Hobby“ ein „echtes Geschäft“ machte. Sein Erfolg hing von kriminellen Netzwerken ab, die die Stücke beschafften und transportierten, aber ebenso von Museen, Händlern, Sammlern und Gelehrten, die bruchstückhafte oder problematische Herkunftsnachweise akzeptierten. Zu Latchfords Kunden zählte auch das Metropolitan Museum of Art.
Die Reichweite dieser Verbindung war brutal konkret. Die Statuen wurden enthauptet und verstümmelt, aus ihren Heiligtümern gerissen und tauchten später in New Yorker Galerien und Londoner Auktionshäusern auf. Campbell schreibt, Latchford habe sich in den „inner circle of the true expatriate elite“ eingearbeitet und enge Beziehungen zu Sammlern, Händlern, Museumskuratoren und Akademikern auf der ganzen Welt aufgebaut. Für Jahre lieferte er einen stetigen Strom frisch gestohlener Objekte.
Genau dort liegt der Widerspruch, den Campbells Buch nicht glättet. Latchford und seine Veröffentlichungen halfen dabei, die Objekte mit erfundener Herkunft zu präsentieren, während Experten später einige der von ihm verkauften Statuen mit Sockeln verbanden, die in Kambodscha noch an ihrem Platz standen. Derselbe Markt, der sich auf Expertise und Bewahrung berief, half so mit, die Spur des Raubs zu verwischen.
Campbell weigert sich, die Gewalt dieses Handels zu romantisieren oder die Institutionen zu schonen, die sich gern als Hüter der Kunst verstehen. Das Buch macht damit sichtbar, wie sakrale Objekte aus kambodschanischen Gemeinden herausgerissen und über Jahrzehnte in den legitimen Kunstmarkt eingespeist wurden. Welche konkreten Museumsbestände oder einzelnen Werke heute noch direkt mit Latchfords Netzwerk verbunden sind, bleibt in der Vorlage offen.
