Knapp neun von zehn Schülerinnen, Schülern und Lehrkräften empfinden die Hitze in ihrem Schulgebäude als Belastung. Die Daten stammen aus dem Projekt Climate Ready Schools und zeigen erstmals systematisch, wie groß das Problem in Österreichs Klassenzimmern ist.
Warum das gerade jetzt auffällt, zeigt ein Messwert vom 26. Mai: In einem Klassenzimmer des BG/BRG Bruck an der Leitha lagen die Temperaturen bei über 30 Grad Celsius. Für Daniela Haluza ist das kein Randthema. Sie sagte bei einem Pressegespräch, Hitze in Schulen sei kein Komfortproblem, sondern ein evidenzbasiertes Gesundheits- und Bildungsrisiko.
Mehr als 1.500 Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte an fünf Partnerschulen in Wien und Niederösterreich wurden befragt. Die Folgen sind klar messbar: 74 Prozent gaben Konzentrationsschwierigkeiten an, ebenfalls 74 Prozent Müdigkeit und Erschöpfung. 66 Prozent fiel es schwer, dem Unterricht zu folgen, 58 Prozent klagten über Kopfschmerzen. Die Belastung trifft damit nicht nur einzelne heiße Räume, sondern viele Kinder und Jugendliche zugleich.
Besonders deutlich wird der Widerspruch zwischen Lernen und Hitze im Vergleich mit dem, was als angenehm gilt. Optimal wären rund 22 bis 23 Grad Celsius, doch in vielen Klassenzimmern werden bereits im Frühsommer regelmäßig 27 Grad und mehr gemessen. Solche Werte sind kein kurzer Ausreißer mehr, sondern tauchen im Forschungsprojekt wiederholt auf, während der Unterricht noch läuft.
Die Entwicklung passt zu den Wetterdaten aus Wien. Seit der Periode von 1961 bis 1990 haben sich die Hitzetage mit Temperaturen über 30 Grad verdreifacht, die Zahl der Sommertage über 25 Grad ist um rund 70 Prozent gestiegen. Heiße Tage fallen inzwischen zunehmend auch in die Übergangsmonate Mai, Juni und September. In der zweiten Hälfte des Jahrhunderts könnten Mai und September bereits ähnliche Temperaturmuster aufweisen wie der heutige Juni.
Martin Schneider machte zugleich klar, dass nicht nur die Stadtlage zählt. Die regionale Lage sei weniger die Ursache der Hitzebelastung als die Bedingungen am Gebäude und am Schulgelände vor Ort. Außenverschattung, Grünraum und die Ausrichtung der Klassenzimmer gelten als entscheidende Faktoren. Das ist der Punkt, an dem die Studie über eine Bestandsaufnahme hinausgeht: Ob Schulen die Hitze künftig bremsen können, hängt nicht an der nächsten Wetterlage, sondern an Umbauten, Schatten und Planung.
Climate Ready Schools wird vom Austrian Institute of Technology und der Technischen Universität Wien getragen. Die Befunde legen nahe, dass Schulen in Wien und Niederösterreich ihre Gebäude und Außenflächen rasch anpassen müssen, wenn Unterricht auch in immer heißeren Frühjahren funktionieren soll. Offen ist nicht mehr, ob die Belastung real ist. Offen ist, welche konkreten baulichen und organisatorischen Maßnahmen jetzt folgen.
