Abelardo de la Espriella hat die erste Runde der Präsidentschaftswahl in Colombia am 31. Mai mit 43,74 Prozent gewonnen und trifft nun am 21. Juni in der Stichwahl auf Iván Cepeda. Mehr als 10 Millionen Stimmen gingen an De la Espriella, während Cepeda knapp hinter ihm landete.
Gerade jetzt interessiert das Land dieser Ausgang, weil mehr als 41 Millionen Menschen wahlberechtigt waren und am Ende nur rund 57 Prozent zur Urne gingen. De la Espriella und Cepeda kamen zusammen auf mehr als 83 Prozent der Stimmen; Paloma Valencia blieb mit etwa 6 Prozent weit zurück. Das Ergebnis macht aus einem breiten Feld praktisch ein Duell zwischen zwei Lagern, die im Wahlkampf kaum näher zusammenrückten.
Die Abstimmung war zudem von Vorwürfen begleitet, die den Abend über das bloße Ergebnis hinaus belasteten. Gustavo Petro stellte das vorläufige Auszählungsergebnis infrage und warf der Registraduría Unregelmäßigkeiten in der Software vor. Er sagte, das System sei in der vergangenen Woche mehrfach verändert worden und es seien bis zu 800.000 nicht existierende Ausweisdokumente hinzugefügt worden; außerdem habe es Wahllokale mit mehr Stimmen als anwesenden Wählern gegeben. Petro erklärte: „El preconteo no tiene validez vinculante y no reconozco sus resultados“.
Iván Cepeda hatte diese Beschwerden zunächst gestützt, zog sie dann aber am folgenden Tag wieder enger und sagte, die Auffälligkeiten reichten nicht aus, um von einem strukturellen Betrug zu sprechen. Genau dort liegt der offene Punkt nach diesem Sonntag: Ob die Vorwürfe eine offizielle Prüfung auslösen oder am veröffentlichten Resultat nichts ändern, ist noch unklar. Fest steht nur, dass Colombia nach einer ersten Runde gegen den Erwartungsdruck der Umfragen nun auf den 21. Juni zusteuert, an dem sich entscheidet, wer den zweiten Wahlgang für sich nutzt.

