Patagonia hat Wyn Wiley, der als Pattie Gonia auftritt, wegen Markenverletzung verklagt. Die Klage wurde am 21. Januar bei einem Bundesgericht in Los Angeles eingereicht, doch erst jetzt ist der Streit wieder mit voller Wucht da: Wiley sprach am Mittwoch erstmals öffentlich über Instagram und forderte den Konzern auf, die Klage fallen zu lassen.
Damit rückt ein Markenstreit in den Fokus, der für Patagonia und für Wiley weit mehr als eine Frage von Kleidung ist. Das Unternehmen verlangt nur 1 Dollar Schadensersatz plus Anwaltskosten. Zugleich geht es um den Namen Pattie Gonia, mit dem Wiley Kleidung verkauft und Umweltaktivismus verbindet. Für Leser, die nach Patagonia suchen, ist das der Grund für die neue Aufmerksamkeit: Es geht um einen bekannten Outdoor-Hersteller, einen Creator mit Millionenpublikum und die Frage, wer einen Namen im öffentlichen Raum benutzen darf.
Patagonia sagt, es habe gehandelt, nachdem Wiley im September einen Markenantrag gestellt habe, um den Namen Pattie Gonia für Kleidung und Umweltaktivismus zu sichern. Der Konzern erklärte, dieser Schritt könne seiner Marke irreparabel schaden. Zugleich betonte Patagonia, man habe seit Jahren versucht, einen Weg zu finden, der Pattie Gonia die Arbeit erlaube und zugleich die eigene Marke schütze. Es sei nicht darum gegangen, Geld zu verdienen oder Identität, Protest oder kreative Ausdrucksformen infrage zu stellen.
Wiley beschreibt denselben Konflikt anders. In einem Video auf Instagram zeigte er einen Brief an den Vorstand des Unternehmens und sagte, Patagonia versuche, einen Aktivisten auszulöschen. Nach seinen Angaben habe er vier Monate lang geschwiegen und über jeden Kanal gearbeitet, um den Streit ohne Gericht beizulegen. Nun stehe er vor der Wahl zwischen der Auslöschung seines Namens, seiner Advocacy, seiner Community und aller Beschäftigten oder dem Kampf für sich und seine Unterstützer. Die Anwaltskosten, sagte er, würden weit mehr kosten als die von Patagonia verlangten 1 Dollar.
Genau dort liegt der Bruch, der den Fall auflädt. Patagonia hält dagegen, die Sache habe nichts mit dem Recht auf Advocacy, Protest oder kreative Ausdrucksformen zu tun. Wiley widerspricht und sagt, seine Merch-Artikel seien spielerische Parodie gewesen; Patagonias Branding, Logo oder Schrift habe er nie benutzt. Drag, sagte er, lebe von Parodie, Wortspielen und Witzen. Auf Patagonias Social-Media-Kanälen sammelten sich unterdessen Tausende Kommentare von Pattie-Gonia-Fans, die den Konzern aufforderten, die Klage fallen zu lassen.
Patagonia sagt, man habe über mehrere Jahre hinweg Multiple Vorschläge und laufende Gespräche geführt, um einen Vergleich zu finden, sei aber zu keiner Einigung gekommen. Wiley wiederum nennt die Klage einen Verrat an Patagonias Kernmission und sagt, das Unternehmen versuche, einen Aktivisten zu verdrängen, der auf eine Weise arbeitet, die seiner Ansicht nach zu dem Umweltanspruch des Konzerns passt. Ob die beiden Seiten noch einen Weg aus dem Streit finden oder der Fall in Los Angeles weiter vor Gericht ausgetragen wird, ist vorerst offen.

