Die Vienna Festwochen haben den für den 7. Juni geplanten Debattenabend mit Peter Thiel abgesagt. Milo Rau teilte die Entscheidung am Samstagabend mit und sagte, er habe sich aus Verantwortung für das Gesamtprogramm dagegen entscheiden müssen.
Dass der Name Thiel so schnell zum Streitfall wurde, lag nicht nur an seiner Prominenz. Der 58-Jährige gilt als einer der einflussreichsten und finanzstärksten Vertreter der Silicon-Valley-Rechten, verfügt über Einfluss durch PayPal und die Überwachungssoftware Palantir und wird als Unterstützer von Donald Trump sowie als Mentor von Vizepräsident JD Vance beschrieben. Genau deshalb stand die Einladung bei Politik und in der Kunstszene unter Druck, bevor sie nun zurückgezogen wurde.
Am Freitag hatten die Festwochen die Kontroverse im Odeon-Theater offen diskutiert. Rau sagte, er habe die geplante Veranstaltung mit Thiel als »extrem spannend« und thematisch konsequent für das Programm gesehen. Das Jahresmotto »Republic of Gods« und Thiels öffentlicher Umgang mit theologischer Sprache passten aus Sicht der Veranstalter in diese Debattenlinie. Rau nannte als Rahmen für den Abend »kritische Fragen, totale Offenheit, die Anwesenheit von Journalisten«.
Gerade dieser Anspruch machte den Fall heikel. Rau sagte, er habe die kritischen Stimmen sehr ernst genommen und sich letztlich gegen den Termin entschieden, obwohl er das Format für inhaltlich überzeugend hielt. »Nicht um jeden Preis«, sagte er. »Es muss niemand mit Thiel einer Meinung sein – es ist umso besser, wenn wir das nicht sind.« Gleichzeitig erklärte er, es hätte seinem Respekt vor dem künstlerischen Programm und allen Beteiligten widersprochen, an dem Plan festzuhalten.
Wolfgang Palaver hatte sich zuvor für die Einladung ausgesprochen und gesagt, man müsse genau hinschauen, statt Thiel nur mit groben Etiketten zu betrachten. Doch für die Festwochen ist damit vorerst der geplante Auftritt vom Tisch. Offen bleibt, ob Thiel in einem anderen Format noch auftaucht oder ob die Absage das letzte Wort in einem Streit ist, der den öffentlich finanzierten Kulturbetrieb bis auf Weiteres beschäftigt.

