Kasachstan ist nach Angaben von Rafael Grossi bereit, Irans Bestand an angereichertem Uran zu übernehmen, falls die USA und Iran sich auf einen Atomdeal einigen. Der Chef der Internationalen Atomenergiebehörde sagte, er habe sich diese Woche in der kasachischen Hauptstadt mit Präsident Kassym-Jomart Tokajew getroffen und dort gesehen, dass Astana offen für die Verwahrung des Materials ist.
Im Zentrum steht ein Vorrat von 440 Kilogramm Uran, das auf 60 Prozent angereichert ist. Für Teheran wäre ein Abtransport dieses Materials nur dann denkbar, wenn ein Abkommen tatsächlich zustande kommt. Genau deshalb wird Kasachstan plötzlich zu mehr als einem fernen Namen auf der Landkarte: Es könnte der Ort werden, an dem ein besonders heikler Teil möglicher Verhandlungen praktisch gelagert würde.
Grossi machte die Bereitschaft Kasachstans öffentlich in dem Moment, in dem die Gespräche über Irans Atomprogramm wieder an Bedeutung gewinnen. Die Frage ist nicht nur, ob Washington und Teheran überhaupt aufeinander zubewegen, sondern auch, wie ein später Deal technisch aussehen würde. Das Uran müsste aus dem Land heraus, bevor eine Einigung auf dem Papier zu einer sichtbaren Veränderung führt.
Doch genau dort liegt die Reibung. Mohsen Rezaei schrieb auf X, die Vereinigten Staaten verrieten die Diplomatie und hätten mit der Fortsetzung der Seeblockade und überzogenen Forderungen bewiesen, dass sie nicht verhandlungsbereit seien und andere Ziele verfolgten. Während Grossi also von einer möglichen Lösung spricht, stellt Teheran die Bereitschaft Washingtons grundsätzlich in Frage.
Die Lage bleibt damit offen. Der kasachische Vorstoß zeigt, dass für einen möglichen Deal schon über den nächsten praktischen Schritt nachgedacht wird, aber nicht, dass dieser Schritt bald kommt. Solange unklar bleibt, ob die USA und Iran überhaupt nah genug an einer Einigung sind, bleibt auch offen, ob die 440 Kilogramm am Ende tatsächlich aus Iran heraus verlagert werden.

