Chile bekommt zum meteorologischen Winterbeginn den kräftigsten Frontdurchgang der ersten Juniwoche. Zwischen der Nacht des Dienstag, 02., und dem Morgen des Mittwoch, 03., soll ein ausgedehntes System das Land erreichen und von Magallanes bis zum Biobío Niederschlag bringen.
Der Termin ist wichtig, weil Juni mit einem wärmeren Mai und knappen Niederschlägen beginnt. Zugleich öffnen sich durch den Vorstoß der Hochdruckzentren in Richtung Atlantik neue Wege für Fronten, die in der kommenden Woche wieder bis in die zentrale Zone vordringen sollen. Genau deshalb steht die Precipitación jetzt im Fokus: Sie kehrt zurück, während die Temperaturen vielerorts deutlich über dem Normalwert liegen.
Besonders betroffen sind die Cordillera im Norden Chico und im Zentrum, der Süden Chiles und die Nordpatagonien, wo die Frontalzüge in der ersten Juniwoche für extrem warme Tage sorgen können. Das System, das zwischen Dienstagabend und Mittwochmorgen eintrifft, soll zunächst Niederschläge zwischen Magallanes und dem Biobío auslösen. Danach erhält es einen zusätzlichen Schub Wasserdampf durch einen atmosphärischen Fluss der Kategorie maximal 1 bis 2, wodurch Regen auch Sektoren von O'Higgins bis Los Lagos erreichen kann.
Für die Berge ist das keine gute Nachricht. Die warme Luftmasse begünstigt flüssige Niederschläge selbst in Höhenlagen und verstärkt damit das Schneedefizit, das die Cordillera am Ende des Herbstes und zu Beginn des Winters bereits belastet. Gleichzeitig rechnen Modelle des Europäischen Zentrums für mittelfristige Wettervorhersage mit unterdurchschnittlichen Niederschlägen über dem Zentrum-Norden und Teilen des Norden Chico; noch ausgeprägter fällt dieses Defizit in der Gebirgskette des Südens und in ganz Patagonien aus.
Die wenigen Niederschläge, die das Land erreichen, sollen vor allem an den Küsten und in den Tälern zwischen Maule und Los Lagos fallen. Das heißt: Regen kehrt zurück, aber nicht gleichmäßig und nicht überall in der Menge, die viele für den Start des Winters erwarten. Für den Moment liegt der nächste klare Wetterumschwung genau in diesem Fenster zwischen Dienstagabend und Mittwochmorgen — und darin entscheidet sich, wie weit die erste echte Regenphase des Monats tatsächlich reicht.
