Ein Einfamilienhaus ist in Österreich inzwischen in 41 von 105 Bezirken für Durchschnittsverdiener unerschwinglich. Die neue Durchblicker-Auswertung zieht damit eine harte Linie durch den Markt: Wer heute ein Haus kaufen will, findet in vielen Teilen des Landes keine Finanzierung mehr, die mit einem normalen Haushaltseinkommen zusammengeht.
Warum das gerade jetzt so viele trifft, zeigt der Vergleich mit 2015 und 2023. Damals kostete ein durchschnittliches Haus mit 120 Quadratmetern noch rund 200.000 Euro, zehn Jahre später sind es 336.000 Euro. Die Preise stiegen seit 2015 um 68 Prozent, die Median-Einkommen im selben Zeitraum aber nur um 51 Prozent. Genau dieser Abstand erklärt, warum die Suche nach einem Haus für viele Leser nicht abstrakt ist, sondern eine reale Grenze geworden ist.
Für die Berechnung legt Durchblicker einen klaren Maßstab an: Als leistbar gilt ein Objekt nur dann, wenn die monatliche Kreditrate höchstens 40 Prozent des Nettoeinkommens ausmacht, gerechnet mit einem Fixzinsdarlehen über 30 Jahre. Nach dieser Logik bleiben 52 Bezirke für einen Haushalt mit zwei Median-Einkommen leistbar, zwölf Bezirke liegen an der Grenze. 2015 waren es in derselben Vergleichsgruppe noch 71 Bezirke, 2023 während der Hochphase steigender Zinsen nur noch 35 Bezirke für Durchschnittsverdiener.
Die Verteilung zeigt dabei einen deutlichen Ost-West-Bruch, und auch Wien fällt nicht unter die leichter leistbaren Regionen. Am teuersten sind Wien-Döbling, Wien-Währing und Wien-Hernals; danach folgen Kitzbühel, Wien-Ottakring, Wien-Hietzing, Salzburg-Stadt, Innsbruck-Stadt, Wien-Liesing und Kufstein. Florian Koiner sagte, Käufer in Döbling, Währing oder Hernals müssten rund viermal so viel verdienen wie ein durchschnittlicher Haushalt. In diesen Bezirken kosten Häuser im Schnitt zwischen 1,2 Millionen und 1,5 Millionen Euro, in Döbling läge die Kreditlast für Durchschnittsverdiener bei etwa 140 Prozent des Nettoeinkommens.
Der Druck endet aber nicht an der Spitze der Preisliste. Selbst Haushalte mit zwei Median-Einkommen müssten in Salzburg 66,5 Prozent des Nettoeinkommens für die Hypothek aufbringen, in Vorarlberg 63,9 Prozent und in Tirol 62 Prozent. Das zeigt, wie knapp selbst die rechnerisch noch leistbaren Bezirke geworden sind. Die Frage, wie viele Haushalte mit durchschnittlichem Einkommen dort tatsächlich eine Finanzierung bekommen, bleibt offen.
Am anderen Ende der Skala stehen Waidhofen an der Thaya, Gmünd, Oberwart, Oberpullendorf, Horn, Hollabrunn, Zwettl, Jennersdorf, Güssing und Mistelbach. In Waidhofen an der Thaya kostet ein Haus im Schnitt 184.000 Euro, die Kreditlast liegt dort bei 15 Prozent des Nettoeinkommens. Für Frauen verschärft der Gender Pay Gap die Lage zusätzlich, weil er die Leistbarkeit von Eigentum weiter senkt. Was die Analyse vor allem sichtbar macht, ist kein kurzer Preisschub, sondern ein Jahrzehnt, in dem Einkommen dem Hausmarkt immer weiter hinterhergelaufen sind.
