In Solingen endete ein Feuerwehreinsatz am Dienstag, 26. Mai, mit einem Ergebnis, das viele Tierfreunde schwer schlucken dürften: Vier junge Waschbären wurden erst aus einer gefährlichen Lage geholt und kurz darauf getötet. Die Tiere saßen auf einem rund fünf Meter hohen Dachvorsprung, als die Feuerwehr sie mit einer Drehleiter rettete.
Dass dieser Einsatz überhaupt nötig wurde, lag an der Sorge von Anwohnern. Sie hatten die Rettungskräfte alarmiert, weil sie befürchteten, die Jungtiere könnten abstürzen. Während des Einsatzes wurde eines der Tiere in einem Dachkasten entdeckt und konnte zunächst nicht geborgen werden. Zusätzlich wurde ein Dachdecker hinzugezogen, und die Feuerwehr setzte die Tiere in Kartons, bevor sie an die zuständige Jagdbehörde übergeben wurden.
Genau an diesem Punkt kippt die Geschichte. Was für die Anwohner wie eine reine Rettungsaktion begann, endete für die Jungtiere bei einem Jäger. Er musste die Waschbären töten, weil das Aussetzen oder Verwildern nach geltendem Recht streng verboten ist. Für invasive Arten wie den Waschbären soll sich die Population nicht weiter ausbreiten; Jungtiere dürfen von Jägern das ganze Jahr über bejagt werden, bei ausgewachsenen Tieren gelten strengere Regeln.
Der Fall zeigt damit den harten Umgang, den Deutschland bei Neozoen vorsieht. Der Waschbär gilt hier als invasive Art, wurde von Menschen eingeführt und breitet sich seit Jahrzehnten aus. Dabei geraten heimische Arten, ihre Lebensräume und Nistplätze unter Druck. In Solingen führte diese Rechtslage dazu, dass aus vier geretteten Jungtieren noch am selben Tag tote Tiere wurden.
Offen bleibt, welcher Jäger die Tiere tötete und welche Stelle den Abschuss genau veranlasst oder gebilligt hat. Gerade diese Lücke dürfte den Fall über den Einsatztag hinaus nachwirken lassen, weil sie die Frage offenlässt, wer am Ende über das Schicksal der Tiere entschieden hat.
