Das Landgericht Verden hat Daniela Klette zu 13 Jahren Haft verurteilt. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass Klette gemeinsam mit den mutmaßlichen Komplizen Burkhard Garweg und Ernst-Volker Staub Geldtransporter und Supermärkte in mehreren Städten in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen überfiel.
Mit dem Urteil endete ein Verfahren, das seit März 2025 in Niedersachsen lief und bei dem die Staatsanwaltschaft 15 Jahre Haft gefordert hatte. Rund 50 Zuhörerinnen und Zuhörer waren im Saal, als Klette wegen schweren Raubs, versuchten schweren Raubs, Verstößen gegen das Waffengesetz, Geiselnahme zur Erpressung und schwerer Erpressung verurteilt wurde.
Nach Überzeugung des Gerichts ging es um acht Raubtaten in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen, die zusammen mehr als zwei Millionen Euro einbrachten. Fünf weitere mutmaßliche Taten wurden im Prozess nicht mehr verfolgt. Die Anklage hatte den Dreiergespann zudem Taten zwischen 1999 und 2016 in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein zugeschrieben und ihnen vorgeworfen, mit den Überfällen ihr Leben im Untergrund finanziert zu haben.
Der Fall war schon deshalb besonders aufgeladen, weil Klette erst Ende 2024 in einer Berliner Wohnung festgenommen worden war. Bei der Durchsuchung fanden Ermittler Waffen, Munition, einen Attrappen-Raketenwerfer, gefälschte Ausweise, Perücken, Gold und 240.000 Euro in bar. Klette gehört nach Erkenntnissen der Ermittler zur sogenannten dritten Generation der linksextremistischen Roten Armee Fraktion, nach der Behörden jahrelang gesucht hatten.
Im Verfahren spielte vor allem der Überfall vom 6. Juni 2015 auf einen Geldtransporter in Stuhr bei Bremen eine zentrale Rolle. Damals befanden sich rund eine Million Euro in dem Fahrzeug, mehrere Schüsse fielen, der Fahrer fürchtete um sein Leben, und die maskierten Angreifer schafften es nicht, die Türen des Transporters zu öffnen; sie flohen ohne Beute. Die Verteidigungsseite ließ diesen Angriff als versuchten schweren Raub werten, nicht als versuchten Mord. Genau in dieser Bewertung wich das Gericht von der Linie der Anklage ab.
Das Urteil beantwortet die Frage nach der strafrechtlichen Verantwortung für die Raubserie vorerst klar: Klette muss für viele Jahre ins Gefängnis. Offen bleibt vor allem, welche Konsequenzen der Fall für die weitere Aufarbeitung der lange gesuchten RAF-Altfälle haben wird.
