Spar zieht die Nachfolge an der Spitze frühzeitig auf. Markus Kaser soll im Januar 2028 den Vorsitz des Vorstands übernehmen, wenn Hans K. Reisch und Marcus Wild am Ende des Jahres 2027 wegen der Altersgrenzen aus dem Gremium ausscheiden.
Der 54-jährige Kaser arbeitet seit 1998 für Spar und ist seit 2021 Stellvertreter von Reisch. Mit dem Wechsel geht Reisch in den Aufsichtsrat und wird dort ab Januar 2028 als Miteigentümer sitzen. Wild verlässt das Unternehmen nach mehr als drei Jahrzehnten ganz.
Für Spar ist die Personalentscheidung mehr als ein geplanter Generationswechsel. Der Händler setzt damit an die Spitze erstmals keinen Manager aus einer der Gründerfamilien. Genau das macht den Schritt bemerkenswert, denn die Gruppe will ihre Führung früh auf Sicherheit und Kontinuität ausrichten, wie es aus dem Umfeld des Unternehmens heißt. Vorstand und Aufsichtsrat sollen nach Unternehmensangaben mit der frühen Bekanntgabe Klarheit schaffen und Orientierung geben.
Die Neuordnung endet nicht bei der Chefetage. Paul Klotz soll Wilds Posten übernehmen und zusätzlich die Bereiche Personalverwaltung und -entwicklung verantworten. Klotz sitzt seit fünf Jahren im Vorstand und hat zuvor 20 Jahre als Geschäftsführer von Spar Italy gearbeitet. Neu in den Vorstand kommen Johannes Holzleitner, Gerhard Wandl und Tanja Wiesmann. Damit stellt Spar seine Führungsriege breiter auf, während der Konzern im Kerngeschäft weiter wächst.
Im österreichischen Handel ist Spar längst die Nummer eins. Der Marktanteil wird auf fast 37 Prozent geschätzt, vor Rewe mit 32 Prozent sowie Hofer und Lidl mit jeweils 26 Prozent. Das österreichische Supermarktgeschäft setzte im vergangenen Jahr 10,8 Milliarden Euro um, der Umsatz der Spar-Gruppe stieg um 4 Prozent auf 22,3 Milliarden Euro. Zum Konzern gehören 3.326 Spar-, Eurospar- und Interspar-Märkte sowie 32 Einkaufszentren in Österreich und fünf Nachbarländern; 51.000 der insgesamt 93.000 Beschäftigten arbeiten in Österreich.
Gleichzeitig steht der Konzern nicht überall auf sicherem Terrain. Hervis erfüllte die Erwartungen nicht, deshalb zog sich Spar zuletzt aus dem Sportfachhandel zurück. Auch die ungarische Tochter belastet das Ergebnis weiter. Reisch bezeichnete sie wegen der dortigen Sondersteuer als „hochnegativ“, und nach Unternehmensangaben kostete die Abgabe Spar 85 Millionen Euro. Die Steuer wurde 2022 unter Viktor Orban eingeführt, Péter Magyar hält sie vorerst auf ausländische Lebensmittelhändler aufrecht. Die Europäische Kommission hat inzwischen bereits eine Klage wegen der Steuer und der Margenobergrenze vor dem Europäischen Gerichtshof eingereicht.
Der Zeitpunkt der Personalentscheidung ist deshalb kein Zufall. Spar wächst in Österreich, stärkt seine Position mit der Übernahme von 25 Unimarkt-Filialen und räumt zugleich an anderer Stelle auf. Wenn Kaser Anfang 2028 übernimmt, steht an der Spitze ein Manager, der seit fast drei Jahrzehnten im Haus ist und das Unternehmen durch eine Phase mit Wachstum, Umbau und politischem Gegenwind führen soll.
