Russland hat Kiew in der Nacht auf Sonntag mit massiven Raketen- und Drohnenangriffen getroffen. Mindestens vier Menschen wurden getötet, rund 100 weitere verletzt, während in der ukrainischen Hauptstadt während der Nacht immer wieder laute Explosionen zu hören waren.
Nach Angaben der Behörden wurden zahlreiche Gebäude in allen Teilen Kiews zerstört. Auch Regierungsgebäude seien beschädigt worden, darunter das Außenministerium und das Kabinettsgebäude. Ukrainischen Medien zufolge traf ein Angriff zudem ein Haus, in dem Wolodymyr Selenskyj eine Wohnung besitzt.
Der Beschuss löste umgehend scharfe internationale Reaktionen aus. Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas warf Russland „nukleares Säbelrasseln“ vor und verurteilte den Einsatz der russischen Mittelstreckenrakete vom Typ Oreschnik als politische Einschüchterungstaktik. Sie sagte, Russland sei „auf dem Schlachtfeld in einer Sackgasse gelandet, weshalb es die Ukraine mit gezielten Angriffen auf Stadtzentren terrorisiert“, und fügte hinzu: „Diese abscheulichen Terrorakte sind darauf ausgelegt, so viele Zivilisten wie möglich zu töten.“
Ursula von der Leyen schrieb auf X, Russland zeige mit dem Angriff seine Missachtung für Menschenleben und Friedensverhandlungen. Sie erklärte: „Terror gegen Zivilisten ist nicht Stärke. Es ist Verzweiflung.“ Emmanuel Macron verurteilte den Abschuss von Oreschnik-Raketen ebenfalls auf X und sprach von einer „Sackgasse“. Friedrich Merz bezeichnete die Angriffe und den Einsatz des Oreschnik-Raketensystems als rücksichtslose Eskalation und schrieb: „Deutschland steht weiter fest an der Seite der Ukraine.“ Mark Carney forderte Russland auf, „diese Angriffe unverzüglich einzustellen und diesen illegalen Angriffskrieg zu beenden. Sie verlängern das Leid der Menschen und ändern nichts an der Tatsache, dass Russland diesen Krieg verlieren wird“.
Auch der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha meldete sich zu Wort. Er sagte: „Putin versucht, die Ukraine einzuschüchtern, indem er Zivilisten angreift und Wohngebäude, Museen, Schulen sowie kritische Infrastruktur zerstört.“ Die Oreschnik-Rakete gilt nach den übereinstimmenden Angaben als atomwaffenfähige Mittelstreckenrakete. Der Kreml gibt an, dass sie mehr als 12.000 Kilometer pro Stunde erreichen und Ziele in 3.000 bis 5.500 Kilometer Entfernung treffen kann. Laut den Angaben wurde sie mit konventionellen Sprengköpfen bisher zweimal gegen Ziele in der Ukraine eingesetzt.
Der Angriff fügt sich in den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine ein, zeigt aber auch, wie Moskau den Konflikt zunehmend mit Waffen führt, deren Symbolwert über die unmittelbaren Schäden hinausgeht. Gerade weil die Oreschnik-mittelstreckenrakete als neuartige, atomwaffenfähige Waffe gilt, wird ihr Einsatz nicht nur als militärischer Schlag gelesen, sondern als Botschaft an Kiew und an Europas Hauptstädte zugleich.

