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Sonnenschutzmittel: EWG findet nur 550 empfohlene Produkte unter 2.784

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Die hat am 19. Mai ihren Jahresbericht für 2026 vorgelegt und kommt zu einem schlichten, aber ernüchternden Ergebnis: Nur etwa 550 von 2.784 geprüften Sonnenschutzmitteln erfüllen nach Angaben der Organisation sowohl die Sicherheits- als auch die Hautschutzkriterien. Die empfohlenen Produkte machen damit rund 20 Prozent der derzeit am Markt erhältlichen Marken aus.

Im Mittelpunkt des Berichts stehen Sonnenschutzmittel für Kinder, für den Einsatz im Freien, für den Alltag sowie Lippenpflegestifte mit Lichtschutzfaktor. Die Gruppe empfiehlt Produkte, die sowohl gegen UVA- als auch gegen UVB-Strahlen schützen. Für viele Verbraucher ist dabei vor allem ein sehr hoher Lichtschutzfaktor ein Kaufargument, doch die EWG hält die Erwartung, dass SPF 100+ deutlich besseren Schutz liefert, für überzogen. Nach Angaben der Organisation blockiert ein Sonnenschutz mit SPF 50+ bereits etwa 98 Prozent der UVB-Strahlen; SPF 100+ erhöhe die Wirkung nur geringfügig.

Die EWG verweist zudem darauf, dass einige der von ihr zitierten Studien nahelegten, dass Angaben auf der Verpackung zu hoch ausfallen können und der tatsächliche Schutz niedriger liegt als versprochen. Sprays und Puder strich die Organisation aus ihrer Liste empfohlener Produkte, weil beim Auftragen das Risiko bestehe, Chemikalien einzuatmen. Auch Formulierungen wie „absolutely water-resistant“ nannte die EWG irreführend.

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Besondere Aufmerksamkeit richtet der Bericht auf die Stoffe Oxybenzon und Homosalat. Die FDA teilte mit, dass viele chemische Sonnencremes nach dem Auftragen rasch in den Blutkreislauf gelangen können und manche Substanzen noch Tage oder sogar Wochen im Körper verbleiben. Oxybenzon ist in vielen Ländern und Territorien eingeschränkt oder verboten, weil ihm eine mögliche Wirkung auf das Hormonsystem, auf Fortpflanzungshormone und auf Meeresumwelten wie Korallenriffe zugeschrieben wird. Der Stoff wurde in Blut, Urin und Muttermilch nachgewiesen. Homosalat wird von der Europäischen Union als Chemikalie eingestuft, die das Hormonsystem stören kann.

Die EWG warnt, dass eine langfristige Belastung mit diesen Substanzen neurologische Entwicklung, Immunsystem und Fortpflanzung beeinträchtigen könnte. Außerdem nimmt der Bericht Retinylpalmitat ins Visier, eine Form von Vitamin A, die häufig in Anti-Aging-Produkten steckt. Sie könne die Haut empfindlicher gegenüber Sonnenlicht machen. Zugleich ist der Anteil der Produkte mit Retinylpalmitat im vergangenen Jahrzehnt deutlich gesunken.

Dass die Auswahl der EWG vor allem aus mineralischen Sonnenschutzmitteln mit Zinkoxid oder Titandioxid besteht, zeigt die Richtung der Organisation klar: weg von chemischen Filtern mit offenen Sicherheitsfragen, hin zu Produkten, die sie für verlässlicher hält. Für Verbraucher bleibt die praktische Botschaft des Berichts eindeutig. Wer heute Sonnenschutzmittel kauft, soll nicht auf die höchste Zahl auf der Packung schauen, sondern darauf, ob das Produkt laut EWG sowohl schützt als auch bei der Anwendung unbedenklicher ist.

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