Toni Faber hat zugestimmt, nächstes Jahr mit dem Erreichen seines 65. Geburtstages als Dompfarrer in Pension zu gehen. Als Pfarrer würde er weiterarbeiten, wie es viele Kollegen auch tun.
Im Pfarrgemeinderat des Stephansdoms soll sich dennoch Widerstand gegen den Verlust Fabers regen. Rosemarie Hofer sagte, es werde keine Aktionen geben. Damit ist der Abschied des bekannten Geistlichen zwar beschlossen, aber offenbar nicht ohne Unruhe in der Gemeinde.
Faber gilt als erfolgreicher Seelsorger. Zugleich wird ihm vorgeworfen, seine nicht-zölibatäre Lebensform zu offensiv präsentiert zu haben. Mit seiner jetzigen Gefährtin wurde er bei Bällen und anderen öffentlichen Gelegenheiten bereitwillig fotografiert. Genau das macht seinen Fall heikel: Er ist nicht nur eine Personalfrage, sondern auch ein Streit über Sichtbarkeit, Vorbild und die Grenze dessen, was in der Kirche öffentlich akzeptiert wird.
Der Hintergrund reicht weit über Wien hinaus. Der Zölibat wurde erst vor rund 1000 Jahren eingeführt; davor konnten christliche Priester verheiratet sein. Im November vorigen Jahres sagte Josef Grünwidl dem STANDARD, er wisse nicht, ob die Berufung zum Priester immer mit der Berufung zur Ehelosigkeit gekoppelt sein muss. Kurz vor Pfingsten kam dann die Nachricht, dass Grünwidl Faber aus der ersten Reihe der kirchlichen Präsentation zurückziehen will. Der Artikel ordnet den Zölibat als Thema des synodalen Prozesses in der Weltkirche ein.
Auch andernorts steht die Pflicht zur Ehelosigkeit unter Druck. In Deutschland hat eine große Mehrheit der Delegierten beschlossen, den Vatikan aufzufordern, die verpflichtende Verbindung von Priesterweihe und Ehelosigkeit aufzuheben und den Zölibat freizustellen. Der Text verweist zugleich darauf, dass Ehelosigkeit und sexuelle Enthaltsamkeit in den afrikanischen und südamerikanischen katholischen Kirchen keinesfalls lückenlos seien. Papst Leo XIV. wiederum hat sich dafür ausgesprochen, den Zölibat zu bewahren.
Für Faber heißt das: Sein Rückzug ist beschlossen, der Streit um die kirchliche Ordnung aber nicht. Die offene Frage ist weniger, ob er bleibt, sondern ob die Kirche Priester wie ihn künftig weiter an Maßstäben misst, die in der Praxis längst nicht mehr überall gleich gelten.

