Arbeitsminister Tomás Rau hat die Reaktivierung des Projekts Sala Cuna Universal durch die Regierung angekündigt. In einem Gespräch mit El Mercurio sagte Rau, er rechne damit, dass die Initiative im Jahr 2026 den Kongress verlässt.
Das Vorhaben war 2022 vom damaligen Präsidenten Sebastián Piñera vorangetrieben worden und liegt derzeit in der Bildungskommission des Senats. Nun will die Regierung bis zum 15. Juni an den Änderungsanträgen arbeiten und dabei ein tragfähiges Finanzierungsmodell finden, bevor der Text weiter vorankommt.
Rau begründete die Rückkehr des Projekts mit einer Lage, die er als „emergencia laboral“ bezeichnete. Er verwies auf eine landesweite weibliche Arbeitslosenquote von 10 Prozent und auf 27 Prozent Arbeitslosigkeit bei jungen Frauen. Nach seinen Worten soll der Start der Maßnahme zunächst Frauen erfassen, die nach dem Arbeitsgesetzbuch beschäftigt sind.
Genau dort liegt auch die politische Reibung. Die Regierung will einen universellen Anspruch auf Kinderbetreuung schaffen, ohne die Einstellung von Frauen zusätzlich zu verteuern. Rau formulierte das so: „La expectativa es poder hacer una propuesta donde podamos contar con la Sala Cuna Universal pero que a la vez esto no signifique hacer más difícil la contratación“.
Im Parlament stößt der Plan auf Zustimmung und Skepsis zugleich. Der republikanische Abgeordnete Stephan Schubert sagte, die Erwartung sei, die Sala Cuna Universal zu erreichen, ohne die Beschäftigung schwerer zu machen. Constanza Hube erinnerte daran, dass die UDI die Regierung bereits aufgefordert habe, dem Projekt Dringlichkeit zu geben. Zugleich warnte sie mit deutlichen Worten vor verfassungsrechtlichen Problemen und „populistischen“ Maßnahmen.
Auch Marlene Pérez drängte auf Tempo. Sie sagte, sie habe „plena confianza“ darin, dass die Regierung den politischen Willen habe, ein für Frauen und Familien zentrales Projekt voranzubringen, und forderte eine „discusión inmediata“. Der Sozialist Nelson Venegas stellte dagegen die Arbeit des Exekutivs infrage. Er kritisierte, die Regierung habe das Vorhaben zurückgestellt, obwohl es für das weibliche Beschäftigungsniveau und für die Betreuung von Kindern grundlegend sei. Venegas kündigte zugleich an, man werde die Anmerkungen der Regierung abwarten und sie dann genau prüfen. Der Abgeordnete Héctor Ulloa sagte, seine Fraktion werde die Initiative aufmerksam verfolgen.
Die Debatte zeigt, woran das Projekt jetzt gemessen wird: nicht an der Idee allein, sondern daran, ob sich der Zugang zur Kinderbetreuung ausweiten lässt, ohne den Arbeitsmarkt weiter zu belasten. Wenn die Regierung ihre Änderungen bis zum 15. Juni vorlegt und das Finanzierungsmodell trägt, könnte 2026 tatsächlich das Jahr werden, in dem Sala Cuna Universal den Senat verlässt.

