Als der Sprint in Montreal zehn Minuten vor dem Start stand, änderte sich die Startaufstellung noch einmal: Pierre Gasly muss aus der Boxengasse losfahren, damit schrumpft das Feld auf 19 Autos. Zuvor wäre der Franzose von Platz 19 gestartet, doch Alpine hatte nach eigener Darstellung am Vorabend die Sperrstunde überschritten, um weiter an seinem Wagen zu arbeiten.
Alpine erklärte, das Team habe das Auto deshalb aus dem Parc Ferme genommen, Teile ausgetauscht und das Set-up angepasst. Für Gasly bedeutet das, dass er im Sprint nicht aus dem normalen Grid losfahren kann. Neben ihm gingen auch Bearman und Alexander Albon mit Änderungen am Auto auf die Liste der Fahrer, die aus der Boxengasse starten müssen. Albon hatte am Freitag nicht an der Sprint-Qualifikation teilgenommen, Bearman gab durch den Boxenstopp Startplatz P15 auf. Valtteri Bottas war aus demselben Grund wie weitere Fahrer mit Setup-Änderungen ebenfalls zum Start aus der Boxengasse gezwungen.
Auch an der Strecke selbst war die Unruhe noch sichtbar. Lance Strolls Aston Martin wurde auf dem Grid weiter im Bereich vorne rechts bearbeitet, während die Bedingungen mit etwa 20 Grad Lufttemperatur und 30 Grad Asphalt ähnlich wie am Vortag blieben. Regen war nicht erwartet. In der Summe ging Montreal damit mit 19 Autos in einen Sprint, der sportlich ohnehin eng zu werden versprach.
Statistisch hatte George Russell die besten Chancen auf den Sieg. Das passt zu einem Kanada-Wochenende, an dem die Historie klar für die erste Startreihe spricht: Sieben der vergangenen neun Formel-1-Rennen in Kanada wurden von der Pole gewonnen, und seit 2014 kam der Sieger in Montreal nicht mehr von außerhalb der ersten Startreihe. Damals gewann Daniel Ricciardo nach Startplatz sechs. Genau diese Mischung aus Statistik und Gegenwart macht den Sprint heikel: Wer vorne steht, hat in Montreal messbar mehr in der Hand als auf vielen anderen Strecken.
Der sportliche Blick reichte aber über den Sprint hinaus. Helmut Marko beschrieb Mercedes im Titelkampf als Team mit dem besten Paket und sagte, die Updates in Kanada könnten die Weltmeisterschaft fast schon entscheiden, falls sie funktionieren. Russell müsse jetzt in Kanada zurückschlagen, fügte er hinzu. Über Kimi Antonelli sagte Marko, der junge Fahrer habe im vergangenen Jahr bei den Europarennen deutlich an Performance verloren. Das ist keine Randnotiz, sondern die Art von Einschätzung, die ein Wochenende schnell größer macht als nur einen Sprint.
Zusätzliche Spannung brachte am selben Tag auch die F1 Academy. Mathilda Paatz fuhr dort auf Platz drei und holte damit ihr erstes Podium in der Frauenserie, während Alisha Palmowski das Rennen gewann, das von Red Bull unterstützt wird. Für Paatz ist das ein Ergebnis, das über den Tagesverlauf hinaus trägt, weil es in einem Umfeld erzielt wurde, in dem jede saubere Runde zählt und ein Podium nicht zufällig fällt.
Am Ende blieb für Montreal vor allem ein Bild: ein Sprint, der kurz vor dem Start noch einmal umgebaut wurde, eine Boxengasse mit mehreren Nachzüglern und ein Favorit, der statistisch Rückenwind hat. Genau dort, wo in Kanada oft die ersten Reihen den Unterschied machen, beginnt heute der eigentliche Test für Russell, Gasly und die Teams, die ihre Autos bis zuletzt angefasst haben.

