Inter spielt heute um 18:00 Uhr im Dall'Ara gegen Bologna, und die Partie kommt mit einer klaren Vorgabe: Cristian Chivu schickt seine Mannschaft im 3-5-2 auf den Platz, obwohl ihm mehrere Stammkräfte fehlen. Calhanoglu, Thuram, Dumfries und Akanji sind nicht dabei, nachdem Chivu sie mit Blick auf die Weltmeisterschaft freigegeben hat. Auf der Bank und im Kader bleibt trotzdem genügend Gewicht, weil Lautaro dabei ist und in dieser Saison bereits 17 Tore erzielt hat.
Das Spiel wird auf Dazn gezeigt und von Bonacina aus Bergamo geleitet. Für Inter ist es ein Abend, an dem die Details zählen, auch weil Chivu kurz vor einem weiteren formalen Schritt steht: Die Verlängerung mit Anpassungen soll in den ersten Tagen der kommenden Woche offiziell werden. Dass der Trainer im Alltag bereits als Fixpunkt gilt, passt zu einem Klub, der mitten in einer technischen Neuordnung steckt und zugleich den nächsten Marktabschnitt nach Saisonende vorbereitet.
Im Mittelpunkt steht dabei weiter der Kader der Zukunft. Sommer, Acerbi und Darmian dürften zu den letzten Spielern gehören, die Inter verlassen, sofern nicht doch noch eine Einjahresverlängerung vereinbart wird. Mkhitaryan könnte ebenfalls in dieser Gruppe landen. Daneben rückt Petar Sucic in den Fokus, der 22 Jahre alt ist und als Teil der neuen Achse gilt, die Inter schrittweise aufbauen will. Die Lage ist damit mehr als eine Momentaufnahme vor einem Ligaspiel: Sie ist ein weiterer Baustein in einem Umbau, der längst begonnen hat.
Genau an dieser Stelle wird auch Nico Paz wieder relevant. Inter hält an einem Traum fest, den Vizepräsident Javier Zanetti zuletzt bestätigt hat, doch die Sache ist kompliziert. Real Madrid kann den Spieler in diesem Sommer für 10 Millionen Euro zurückkaufen, und Cesc Fabregas machte den Standpunkt von Como unmissverständlich klar. Er sagte, er sei traurig über die jüngsten Aussagen, Zanetti kenne gewisse Abläufe, und er wisse Marotta, Ausilio und Baccin gut genug: Sie seien die Männer, die die Entscheidungen treffen. Zugleich sagte Fabregas, Zanetti sei kein Direktor bei Como oder Real Madrid und verdiene Respekt. Dann setzte er den härtesten Satz nach: Nico Paz werde nächstes Jahr nicht für Inter spielen, sondern bei Como oder bei Real Madrid sein.
Dass diese Worte ausgerechnet vor einem Spiel in Bologna fallen, hat seinen eigenen Unterton. Inter hat dort in der Vergangenheit bittere Erinnerungen gesammelt, darunter Radu's Patzer und Orsolinis Halbvolley. Solche Bilder verschwinden nicht, wenn der Klub von Revolution und Neuanfang spricht. Sie bleiben haften, gerade an einem Ort wie dem Dall'Ara, wo die Mannschaft heute wieder liefern muss und wo jedes Ergebnis sofort an die größeren Pläne zurückgebunden wird.
Für die Jugendabteilung gab es derweil gestern einen Rückschlag: Die Primavera verlor im Viertelfinale der Jugendmeisterschaft mit 1:2 gegen Cesena. Kamaté, Cocchi, Mosconi, Bovo und Spinaccè standen dabei auf dem Feld, konnten das Ausscheiden aber nicht verhindern. Auch das gehört zum Gesamtbild eines Klubs, der an mehreren Fronten gleichzeitig arbeitet. Heute geht es um Bologna. Nächste Woche um Chivus Verlängerung. Und danach um die Frage, ob Inter im Sommer wirklich an Spielern wie Nico Paz weiter festhält oder erneut an der Realität von Real Madrids Rückkaufoption scheitert.

