Lesen: Der Standard: ORF 3 und „Wa(h)re Kunst“ unter Finanzierungsdruck

Der Standard: ORF 3 und „Wa(h)re Kunst“ unter Finanzierungsdruck

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zeigte die Kunstreihe „Wa(h)re Kunst“ seit Herbst 2015 als Produktion von . Doch die Sendung lief nach Angaben aus der Branche nicht nur als dokumentarischer Blick hinter die Kulissen der Wiener Kunstszene, sondern auch als bezahlte Fremdproduktion mit klar bezifferten Honoraren.

Am Sonntag, 5. Oktober 2025, um 9.45 Uhr sahen Zuseherinnen und Zuseher eine Folge der Reihe auf ORF 3. Der Produzent sagte, das Format zeige, welche Rolle Wien als „wichtigste Drehscheibe für Kunst in Österreich“ spiele und gewähre einen „prononcierte“ Blick hinter den Betrieb. Sein Team begleitete Galerien und Kunsthändler zu Messeauftritten, im Tagesgeschäft und in Gesprächen mit Sammlern; außerdem besuchte die Produktion die Ateliers von , , und Christian Eisenberger.

Dass die Reihe so weit in den Markt hineinreichte, macht sie für den Sender heikel. In den Credits wurde sie als Produktion von Popup Media TV + Film ausgewiesen, ohne Hinweis auf technische oder redaktionelle Beteiligung von ORF 3. Zugleich erhielt Popup Media für eine 25-minütige Sendung 800 Euro als einmalige Ausstrahlungsgebühr; für 45 Minuten gab es eine entsprechend höhere Pauschale. Nach Angaben aus der Branche konnten die Kosten solcher Produktionen je nach Aufwand und Drehtagen rasch bei rund 30.000 Euro liegen, während die vereinnahmten Summen nur bis zu 7.200 Euro erreichten.

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Der Fall steht im Umfeld früherer Recherchen von Der Standard und dem Investigativ-Podcast zu Drittfinanzierungen in ORF-3-Formaten, die on air nicht offengelegt wurden. Der ORF sieht die gesetzlichen Anforderungen nach eigenen Angaben als erfüllt an. Gleichzeitig verlangt der Verhaltenskodex des Senders eine strikte Trennung von Programm und Werbung oder Marketing; die Richtlinien schließen eine Einflussnahme von außen auf Inhalt und Form von Programmbestandteilen ausdrücklich aus.

Zimmermann wollte auf Nachfrage keine weiteren Informationen „zur kaufmännischen Seite der Produktionen“ geben und erklärte lediglich „keine weiteren Angaben“. Genau dort liegt der Konflikt: Ein Kulturformat, das dem Publikum nahen Zugang zum Kunstmarkt verschafft, ist nach außen als unabhängige Sendung erschienen, während seine Finanzierung und die Nähe zum Markt Fragen nach der zulässigen Trennlinie zwischen Berichterstattung und Geschäft offenlassen. Ob der ORF diese Linie tatsächlich sauber gezogen hat, bleibt damit der entscheidende Punkt an diesem Fall.

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