Roger Kusch ist am Samstag in Hamburg auf einer Mitgliederversammlung als Vorstandschef seines Vereins abgewählt worden. Zu Beginn der Sitzung hatte der 71-Jährige noch den Vorsitz im Vorstand inne.
Die Abwahl beendet vorerst die öffentliche Rolle eines Mannes, der in Deutschland seit Jahrzehnten polarisiert. Kusch war von 2001 bis 2006 Justizsenator unter Bürgermeister Ole von Beust in Hamburg und gehörte in dieser Zeit einer Koalition mit Ronald Schill an. 2006 endete seine Senatszeit, nachdem bekannt geworden war, dass seine Behörde vertrauliche Unterlagen unrechtmäßig erhalten und weitergegeben hatte.
Später machte Kusch mit dem Tod noch direkter Politik. 2008 stellte er in Hamburg eine selbst gebaute Injektionsmaschine für den Suizid vor. Ein Jahr darauf half er einer 79-jährigen Frau beim Sterben. In einem Videobotschaft sagte sie: „Ich kann nicht sagen, dass ich leide, aber ich kann mich so schlecht bewegen.“ Im selben Jahr untersagte das Hamburger Verwaltungsgericht seinem Verein, Suizidassistenz für 8.000 Euro anzubieten.
Frank Montgomery reagierte damals mit deutlichen Worten auf Kuschs Auftreten. „Wir brauchen keine Tötungsmaschine, sondern eine Sterbebegleitung und palliativmedizinische Betreuung, die den Menschen am Ende ihres Lebens Schmerzen und Ängste nimmt“, sagte er.
Kusch gründete 2012 in Zürich die Sterbehilfe-Vereinigung, deren Angebote auch deutschen Staatsbürgern offenstehen und die ein Büro in Hamburg unterhält. Der Verein bewegt sich seit Jahren in einem Feld, das juristisch und ethisch umstritten bleibt, zugleich aber die Entwicklung in Deutschland geprägt hat. Der Bericht beschreibt assisted suicide nicht als Normalität, sondern als eine Praxis, die in kommerzieller Form im Kern legal geworden ist.
Mit seiner Abwahl verliert Kusch nun die formale Kontrolle über den Verein, nicht aber die Geschichte, die ihn begleitet. Sein Name bleibt mit der Frage verknüpft, wie weit Selbstbestimmung am Lebensende reichen darf und wo die Grenze zwischen Hilfe und Geschäft gezogen wird.
