Lesen: Luzerns Foxen-Daten heizen Debatte über Jagd und Seuchen an

Luzerns Foxen-Daten heizen Debatte über Jagd und Seuchen an

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Luzern steht im Zentrum einer neuen Debatte über die Fuchsjagd: Der Kanton ist der einzige in der Schweiz, der eine Krankheitsstatistik für Füchse führt, und diese Daten werden nun gegen die Jagd als Mittel der Seuchenbekämpfung ins Feld geführt. Im wurden in Luzern 39 kranke Füchse unter 2.217 erlegten Tieren registriert.

Das entspricht 1,76 Prozent. Fast 98 Prozent der in Luzern geschossenen Füchse waren demnach gesund und wurden auf Kosten der Steuerzahler entsorgt. Für ist das ein Grund, die wissenschaftliche Grundlage der Fuchsjagd überprüfen zu lassen. Sie hat dazu eine schriftliche Anfrage eingereicht und verweist auf den Befund, dass mindestens 18 wildbiologische Studien über mehr als 30 Jahre zeigen, dass Jagd weder Bestände dauerhaft senkt noch Krankheiten eindämmt.

Die Luzerner Zahlen sind Teil eines grösseren Arguments gegen die Jagd auf Füchse zur Seuchenkontrolle. Die Behauptung, Abschüsse hielten Krankheiten zurück, steht dabei im Widerspruch zu Erfahrungen aus anderen Regionen und zu den Folgen intensiver Bejagung. Im Bayerischen Nationalpark werden Füchse nicht gejagt; dort liegt die durchschnittliche Wurfgrösse bei rund 1,7 Jungtieren pro Fähe. In intensiv bejagten Gebieten ist sie etwa dreimal so hoch. Zudem wird nach der Darstellung der Vorlage ein Bestand, von dem drei Viertel entfernt werden, im Jahr darauf wieder aufgefüllt.

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Auch der Vergleich mit der Geschichte der Seuchenbekämpfung spricht gegen die Schusswaffe. Die Tollwut in der Schweiz wurde mit Impfködern beseitigt, nicht mit Gewehren. Und andere Kantone haben längst andere Wege gewählt: Der Kanton Genf schaffte die Milizjagd 1974 per Volksentscheid ab, im zuletzt erwähnten Jagdjahr wurde dort kein Fuchs aus Freizeitgründen geschossen. Gerber lobte Genf als ein hervorragendes und erfolgreiches Wildtiermanagement seit über 40 Jahren.

Der Konflikt zeigt sich besonders deutlich im Vergleich zwischen den Kantonen. Luzern liefert als einziger Kanton überhaupt belastbare Krankheitszahlen zu Füchsen, doch genau diese Einzigartigkeit macht die Statistik politisch heikel: Wer aus 39 kranken Tieren unter 2.217 Abschüssen eine Rechtfertigung für die Jagd ableiten will, muss erklären, warum fast 98 Prozent der erlegten Tiere gesund waren. In Genf kostet das gesamte Wildtiermanagement rund eine Million Franken pro Jahr, und Luxemburg schützt den Fuchs seit 2015 ganzjährig. Die Frage ist damit nicht, ob die Debatte weitergeht, sondern ob Luzern ausgerechnet mit seinen eigenen Zahlen die Jagd auf Füchse noch länger verteidigen kann.

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