Angelika Benkenstein weiß gerade nicht, wie sie ihren Fuhrpark in einem Jahr noch am Laufen halten soll. Die Geschäftsführerin des Leipziger Pflegedienstes Löwenherz hat den Leasingvertrag für ihre Fahrzeuge deshalb um ein Jahr verlängert, obwohl er eigentlich schon ausgelaufen war. Zu dem Unternehmen gehören 20 Kleinwagen, viele davon geleaste VW Polos.
Die Entscheidung ist für Benkenstein keine Frage des Komforts, sondern der Verfügbarkeit und des Geldes. Elektroautos kommen für den Betrieb wegen fehlender eigener Ladeinfrastruktur nicht infrage. Allein der Aufbau würde laut ihrer Einschätzung mindestens 80.000 Euro kosten. Für einen Pflegedienst, der auf kurze Wege, flexible Einsätze und zuverlässige Wagen angewiesen ist, ist das eine Summe, die sich kaum nebenbei stemmen lässt. „Ich weiß gerade überhaupt nicht, was ich in einem Jahr machen werde“, sagt Benkenstein.
Der Druck auf ihren Fuhrpark passt zu einem Markt, der sich seit Jahren spürbar verändert. Der VW Polo, einer der letzten Dauerbrenner unter den Kleinwagen, begann vor sechs Jahren noch bei 15.730 Euro. Heute liegt die Basisversion bei 20.135 Euro Listenpreis. Das entspricht einem Plus von 28 Prozent. Bei anderen Herstellern fallen die Sprünge sogar fast 50 Prozent aus. Gleichzeitig wird das Angebot kleiner: In den vergangenen zehn Jahren ist die Zahl der Kleinwagenmodelle um mehr als 30 geschrumpft. Der Ford Fiesta wird nicht mehr produziert, ebenso der Peugeot 108 und der Škoda Citigo.
Fabian Faehrmann vom ADAC beschreibt die Entwicklung als Doppelbewegung. „Wenn man sich die letzten Jahre ansieht, dann sieht man klar zwei Effekte auf dem Kleinwagenmarkt“, sagt er. „Auf der einen Seite ist die Modellvielfalt deutlich zurückgegangen. Und auf der anderen Seite sehen wir immer stärker steigende Preise.“ Für Kunden wie Benkenstein wird damit ausgerechnet das Segment enger, das lange als günstiger Einstieg in die Mobilität galt.
Auch die Hersteller selbst verweisen auf wachsende Kosten. Florian Huettl, CEO von Opel und Stellantis Germany, sagt, Bezahlbarkeit und Einkommen hätten sich in diesem Segment „ein Stück auseinander entwickelt“. Viele Kunden könnten sich diese Fahrzeuge nicht mehr so leisten wie vor sieben oder acht Jahren. Als Gründe nennt er Inflation, höhere Kosten für Rohstoffe, verarbeitete Produkte, Energie sowie Lohn- und Gehaltskosten. „Wir reden auch über eine Vielzahl an Assistenzsystemen, die wir mittlerweile einbauen müssen, die die Kosten signifikant nach oben treiben“, sagt Huettl. Als weiterer Kostentreiber gilt in der Quelle eine EU-Verordnung aus dem Jahr 2019.
Die Marktdynamik erklärt auch, warum sich die Produktion immer weiter verschiebt. Helena Wisbert sagt: „In Deutschland haben wir eine relativ große Nachfrage nach diesen Modellen. Aber weltweit geht der Trend eher zu großen SUVs.“ Und dort seien eben große SUVs gefragt mit sehr viel Beinfreiheit auf der hinteren Sitzreihe. Für Kleinwagen wie den Polo bedeutet das: weniger Auswahl, höhere Preise und für Betriebe wie Löwenherz eine Planung, die von Monat zu Monat unsicherer wird. Benkenstein verlängert erst einmal weiter. Was danach kommt, ist offen.
