Stefan Schwab hat bei Holstein Kiel erlebt, wie schnell sich die Stimmung in einer Saison drehen kann. Der 35-Jährige wurde von den eigenen Anhängern ausgepfiffen, doch nach dem letzten öffentlichen Training und dem letzten Heimspiel sprach er von einer Versöhnung.
Am Trainingsplatz war das Bild ein anderes als noch zuvor: Schwab lächelte beim letzten öffentlichen Training, arbeitete mit und nahm sich danach Zeit für den Austausch mit Fans. Auch Team, Trainer und die organisierte Fanszene stellten sich hinter ihn. Der Mittelfeldspieler brachte es gegenüber den Kieler Nachrichten auf eine knappe Formel: „Ich würde fast sagen: Ende gut, alles gut“.
Dass es überhaupt so weit kam, hat mit einer Saison zu tun, die in Kiel nicht so verlief wie geplant. Schwab sagte, die Erwartungen vor und während der Spielzeit seien andere gewesen. Er selbst sei in einem insgesamt gemischten Jahr zum Sündenbock gemacht worden. Das habe ihn mehr getroffen als allgemeine Kritik, sagte er, und er habe sich Gedanken gemacht. Gleichzeitig betonte er, dass Fans ihr Unmut äußern dürften.
Besonders deutlich wurde das Spannungsverhältnis über Wochen im Stadion. Schwab berichtete, dass er bei anderen Vereinen schon Druck und das Herausgreifen einzelner Spieler erlebt habe. In dieser Saison habe es ihn getroffen. „Wenn man dann als Einzelner herausgepickt wird, tut es schon mehr weh. Man macht sich seine Gedanken und es geht nicht spurlos an einem vorbei“, sagte er. Am Ende habe er das letzte Heimspiel nach den Rufen und dem Applaus freier und weniger verkrampft erlebt.
Der Kontrast zum Saisonverlauf könnte kaum größer sein. In der Öffentlichkeit war Schwab wiederholt ausgepfiffen worden, ehe sich das Bild zum Saisonende änderte. Nach dem Training mit der Mannschaft und den Gesprächen mit Anhängern wirkte der Austausch wie ein Bruch mit den Wochen davor. Dass Mannschaft, Trainer und organisierte Fanszene sich hinter ihn stellten, gab dem Schlusspunkt zusätzlich Gewicht.
Schwab war im vergangenen Sommer von PAOK Thessaloniki nach Kiel gewechselt. Für den Klub lief die Saison nicht wie erhofft, und für ihn selbst bleibt der Blick nun offen nach vorn. Ein Abschied im Sommer 2025 erscheint wahrscheinlich, ein Karriereende schließt er aus. Der Österreicher sagte, er habe jede Trainingseinheit dieser Spielzeit mitmachen können und glaube deshalb, dass er auch einem anderen Verein noch helfen könne. Für Kiel ist damit vor allem eines klar: Die emotional aufgeladene Debatte um Schwab dürfte mit dieser Saison enden, aber seine Zeit im Profifußball nicht.

