Andrej Karpathy, der Mitgründer von OpenAI und frühere KI-Chef von Tesla, sagte am Dienstag, dass er zu Anthropic wechselt. Der Schritt bringt einen der bekanntesten Entwickler im Bereich Künstliche Intelligenz zu einem Rivalen, der mit OpenAI und anderen Modellanbietern um die nächste Generation von KI-Fähigkeiten konkurriert.
Karpathys Wechsel fiel in eine Phase, in der Tech-Aktien am Dienstag weiter unter Druck standen. Anleger wurden vorsichtiger, weil Inflationssorgen anhielten und der Blick bereits auf Nvidias Ergebnisbericht am Mittwoch gerichtet war. Nvidia gilt als wichtiger Taktgeber für den gesamten KI-Sektor, und die Erwartungen an den Chipkonzern bleiben hoch, während die Branche weiter zwischen Fantasie und Bewertungssorgen schwankt.
Zusätzlichen Druck brachte die Sorge vor einem möglichen 18-tägigen Streik bei Samsung Electronics, der am 21. Mai beginnen könnte, falls Gespräche scheitern. Ein Ausstand beim weltgrößten Speicherchiphersteller würde die südkoreanische Wirtschaft erheblich treffen und zugleich globale Lieferketten belasten, die auf seine Chips angewiesen sind. Für Anleger ist das ein weiteres Zeichen dafür, wie eng die KI-Rallye inzwischen mit der realen Halbleiterproduktion verknüpft ist.
Am selben Tag bekam der Wettbewerb im KI-Markt eine weitere neue Facette. Google stellte auf seiner jährlichen I/O-Konferenz in Mountain View, Kalifornien, seine neueste Modellfamilie Gemini 3.5 vor. Das erste Modell soll Gemini 3.5 Flash sein, eine Pro-Version will Google im nächsten Monat nachreichen. Der Konzern sagte außerdem, dass die überarbeitete Suche detailliertere Fragen zulässt, Such-basierte KI-Agenten erstellen kann und Themen mit KI-generierten Oberflächentools besser visualisiert.
Die Ankündigung ist deshalb mehr als nur ein Produkt-Update. Google galt lange als deutlich hinter seinen Rivalen zurück, bis der Konzern im November 2025 Gemini 3.0 einführte. Jetzt versucht das Unternehmen, den Abstand nicht nur zu verkleinern, sondern im wichtigsten Alltagsprodukt des Hauses wieder selbst die Richtung vorzugeben.
Zwischen den Schlagzeilen aus Gerichtssaal und Labor stand am Dienstag auch der juristische Streit um OpenAI. Ein Geschworenengericht wies Elon Musks Klage gegen das Unternehmen einstimmig zurück, und ein Bundesrichter bestätigte das Urteil und schloss den Fall damit ab. Für Musk ist das eine klare Niederlage; für OpenAI ist es ein weiterer Tag, an dem das Unternehmen zugleich mit Konkurrenz, Kapitalmarkt und Öffentlichkeit ringen muss.
Karpathys Wechsel, Googles neue Modelle und der Druck auf Halbleiterwerte zeigen gemeinsam, wie eng sich die KI-Industrie gerade an wenigen Namen und wenigen Terminen auflädt. Der nächste Prüfstein kommt schon am Mittwoch mit Nvidias Zahlen — und sie werden nicht nur über einen Konzern gesprochen werden, sondern über die Frage, wie lange der Markt den KI-Boom noch gegen Inflation, Lieferkettenrisiken und wachsenden Wettbewerb abschirmen kann.

