Fünf italienische Taucher sind bei einem Tauchgang in einer Unterwasserhöhle auf den Malediven gestorben. Der Unfall ereignete sich an der Tauchstelle Devana Kandu im Vaavu Atoll nahe der Insel Alimathaa südlich von Malé.
Die Gruppe war am Donnerstag in ein weit verzweigtes Höhlensystem hinabgestiegen. Bislang wurde nur die Leiche von Gianluca Benedetti geborgen; vier weitere Opfer wurden am Montag tief im Höhlensystem lokalisiert.
Nach Angaben der Universität Genua gehörten einige Mitglieder der Gruppe zu einem wissenschaftlichen Trip, auf dem Meeresökosysteme untersucht werden sollten. Der Tauchgang selbst sei jedoch privat gewesen und nicht als Forschungsfahrt eingestuft worden. Die italienischen Teilnehmer waren auf einer einwöchigen Reise an Bord des Tauchboots Duke of York unterwegs, zusammen mit etwa 20 weiteren Passagieren. Unter den Tauchern war nach vorliegenden Informationen auch die 22-jährige Giorgia Sommacal.
Für die Ermittler steht vor allem die Art des Tauchgangs im Mittelpunkt. Der Tourismus- und Sicherheitschef Mohamed Hussain Shareef sagte: „Das Hauptproblem ist, dass es sich um einen Höhlentauchgang handelte.“ Er fügte hinzu: „Irgendetwas muss dort unten passiert sein.“ Behörden erklärten, der Antrag der Gruppe habe entscheidende Angaben vermissen lassen. Nach ihren Angaben sei nicht ausdrücklich vermerkt worden, dass ein Höhlentauchgang geplant war. Einige der italienischen Taucher verfügten demnach zwar über eine Genehmigung für Tauchgänge bis zu 50 Metern, doch die Unterlagen seien für das konkrete Vorhaben unvollständig gewesen.
Die Universität Genua teilte mit, ihre Gruppe reise seit mehreren Jahren regelmäßig für Forschungsarbeiten auf die Malediven. Geplant gewesen seien unter anderem Studien zu Weichkorallen und Riffsystemen. Der italienische Reiseveranstalter Albatros Top Boat erklärte, ein solcher besonderer Höhlentauchgang sei nicht genehmigt worden.
Höhlentauchen gilt als besonders gefährlich, weil es keinen direkten Weg an die Oberfläche gibt und Taucher leicht die Orientierung verlieren können. Für solche Tauchgänge sind spezielle Ausbildung und Ausrüstung nötig, besonders in Tiefen über 30 Metern. Internationale Freizeittauchorganisationen wie PADI empfehlen je nach Ausbildungsstand oft eine maximale Tiefe von rund 30 Metern. Forschungsteams können zwar Sondergenehmigungen für größere Tiefen beantragen, diese gelten jedoch nur für bestimmte Zwecke und Bedingungen. Für die Behörden und die Beteiligten bleibt damit vor allem die Frage offen, wie ein als privat beschriebener Tauchgang so weit außer Kontrolle geraten konnte.

