Ein Bericht vom Freitag legt Verträge einer Gesellschaft offen, die mit der Schwiegermutter und den Schwägern von Camila Vallejo verbunden sein soll. Die Firma Doctora Andrea San Martín y Compañía Limitada stellte dem Hospital Herminda Martín de Chillán nach Angaben aus dem öffentlichen Beschaffungsportal in 15 Jahren insgesamt 2.156.918.205 Peso in Rechnung.
Besonders ins Gewicht fällt der Zeitraum der Regierung von Präsident Gabriel Boric: In diesen vier Jahren kamen laut der Auswertung 1.209 Millionen Peso zusammen, das entspricht 56 Prozent der gesamten Summe. Die Zahlen geben der Affäre ein Gewicht, das weit über eine bloße Formalität hinausgeht, denn es geht nicht um einen einzelnen Vertrag, sondern um eine langjährige Geschäftsbeziehung mit einem öffentlichen Krankenhaus.
Am Donnerstag, dem 14. Mai, hatte das Medium Vallejo zu ihrer Erklärung zu Interessen und Vermögen kontaktiert. Aus ihrem Umfeld hieß es daraufhin: Die DIP sei über die offizielle Plattform korrigiert worden und erfülle alle gesetzlichen Anforderungen. Die bereits in infoprobidad.cl abrufbare Erklärung enthielt nach den Angaben der Recherche zu diesem Zeitpunkt jedoch nicht die Namen ihrer Schwiegermutter und aller Schwäger, obwohl genau das der Bericht als Verstoß gegen die Ley 20.880 beschreibt.
Die Antikorruptions- und Kontrollbehörde bestätigte dem Medium später, dass Vallejo ihre Erklärung am 14/05/2026 berichtigt habe. Zugleich erklärte die Behörde, dass nun der amtierende Unterstaatssekretär im Generalsekretariat der Regierung, José Francisco Lagos Garrido, die Erklärung binnen 30 Tagen unterzeichnen und an die CGR senden müsse. Erst danach werde das Dokument auf infoprobidad.cl veröffentlicht. Damit ist der zentrale Punkt nicht mehr, ob eine Korrektur erfolgt ist, sondern ob die formale Nachreichung rechtzeitig und vollständig durchgeht.
Der Fall rückt auch deshalb so stark in den Fokus, weil er zwei Ebenen miteinander verbindet: die geschäftlichen Verbindungen einer Familie und die Pflicht zur vollständigen Offenlegung in der Erklärung zu Interessen und Vermögen. Die Firma selbst wird in der Recherche als Doctora Andrea San Martín y Compañía Limitada bezeichnet. Ihre aktuellen Anteile liegen bei Claudio Camilo Zicavo San Martín mit 31 Prozent, Valeria Andrea Zicavo San Martín mit 31 Prozent, Andrea Colomba San Martín Palma mit 9 Prozent und Osvaldo Armando Aguiló Melo mit 29 Prozent.
Die offene Frage ist damit nicht mehr, ob die Behörde von der Berichtigung weiß. Sie ist, ob die nachträgliche Korrektur die politische und rechtliche Kritik an Vallejo beendet. Nach den vorliegenden Angaben bleibt der Vorwurf bestehen, dass die Namen von Schwiegermutter und Schwägern zunächst nicht vollständig ausgewiesen waren, und genau daran entscheidet sich jetzt, wie schwer dieser Vorgang am Ende wiegt.

