Julian Nagelsmann wird seinen Kader für die Weltmeisterschaft am Donnerstag offiziell bekanntgeben. Schon am Montag soll der Bundestrainer Felix Nmecha am Telefon gesagt haben, dass der 25-Jährige für das Turnier in den USA, Kanada und Mexiko nominiert werde.
Für Nmecha wäre das ein bemerkenswerter Umschwung binnen weniger Wochen. Ende März hatte Nagelsmann noch gewarnt, der Dortmunder könne die Weltmeisterschaft wegen seiner Knieverletzung verpassen. Der Mittelfeldspieler fehlte zuletzt mehrere Wochen mit einem Außenbandriss im Knie, stand am letzten Bundesliga-Spieltag dann aber wieder über 90 Minuten für Borussia Dortmund beim 2:0 in Bremen auf dem Platz.
Dass Nagelsmann nun offenbar auf Nmecha setzt, ist auch deshalb wichtig, weil der Nationaltrainer im zentralen Mittelfeld nach Optionen sucht, die körperlich belastbar sind und sofort funktionieren können. Nmecha könnte bei der Weltmeisterschaft sogar auf einen Platz in der Startelf hoffen, wahrscheinlich an der Seite von Aleksandar Pavlović. Der Dortmunder ist damit plötzlich wieder näher an einer Rolle, die ihm nach der langen Pause kaum noch sicher schien.
Die Personalie passt in eine Kaderentscheidung, die längst über einzelne Namen hinausgeht. Die WM in Nordamerika ist für Deutschland der nächste große Härtetest, und Nagelsmann muss schon jetzt festlegen, wem er nach der wechselhaften Saison vertraut. Die Rückkehr von Nmecha wäre in diesem Bild ein Signal: Wer rechtzeitig fit wird und im entscheidenden Moment Leistung bringt, kann sich noch in den Flug zum Turnier retten.
Auf der anderen Seite dürfte für Robert Andrich die Hoffnung auf die WM fast vorbei sein. Nach Informationen aus dem Umfeld der Kaderplanung soll Nagelsmann dem Kapitän von Bayer 04 Leverkusen bereits mitgeteilt haben, dass er nicht dabei sein wird. Andrich war bei der Heim-Europameisterschaft vor zwei Jahren noch eine feste Größe, doch seit Sommer 2025 hat seine Rolle spürbar nachgelassen.
Andrich hielt sich dennoch zuletzt eine Restchance offen. Er sagte: „Ich habe noch keinen Urlaub gebucht, die Hoffnung stirbt zuletzt“. Die Zeichen stehen dennoch auf Abschied, bevor der Bundestrainer seinen Kader am Donnerstag öffentlich macht.
Im Tor deutet sich zugleich ein weiterer Kurswechsel an. Manuel Neuer soll nach seinem tatsächlich erklärten Ende der Nationalmannschaft nach der Heim-EM doch wieder für die Weltmeisterschaft zurückkehren. Oliver Baumann wird voraussichtlich die Rolle als Nummer zwei akzeptieren. Damit verdichten sich die Konturen eines deutschen Kaders, der alte Hierarchien teilweise neu ordnet und zugleich auf Verlässlichkeit setzt.

