Eine neue Analyse des GFZ Helmholtz-Zentrums für Geoforschung in Potsdam und der Universität Lausanne sieht in der Erosion einen Schlüssel für die Bildung von natürlichem Wasserstoff in Gebirgen. Die Forschenden kommen demnach zu dem Schluss, dass nicht nur die tiefen Gesteine selbst, sondern auch ihr Weg an die Oberfläche darüber entscheidet, ob sich Wasserstoff bilden und sammeln kann.
Die Studie nennt die Alpen und die Pyrenäen als wichtige Zielgebiete für die Erkundung von natürlichem Wasserstoff. Grundlage sind numerische Modelle der Plattentektonik, mit denen das Team den Einfluss der Erosion berechnet hat. Die Ergebnisse wurden am 18.05.2026 um 17:12 Uhr in einem Beitrag bei MDR KULTUR vorgestellt.
Der Befund reicht weit zurück in die Erdgeschichte. Vor Millionen von Jahren drifteten tektonische Platten auseinander, wurden später wieder zusammengeführt und kollidierten. Dabei gelangten Gesteine aus dem Erdmantel nach oben. An der Oberfläche reagierten sie mit Wasser und setzten Wasserstoff frei. Dieser lagerte sich anschließend in porösen Gesteinsschichten ab, die als Speicher dienen können.
Die Simulationen zeigen zugleich, dass Erosion nicht nur fördert, sondern auch bremst. Wenn sie zu schnell oder zu stark verläuft, kann sie das Potenzial für natürlichen Wasserstoff mindern, weil Speichergestein zerstört wird oder sich die Temperaturen verändern. Auch die geologische Geschichte eines Gebirges beeinflusst laut der Analyse, wie viel Wasserstoff dort entstehen kann. Damit wird die Frage nach natürlichen Lagerstätten stärker zu einer Frage des Untergrunds und seiner Entwicklung als zu einer reinen Standortsuche.
Genau das macht die neue Arbeit für die Suche nach weißem Wasserstoff relevant. Er gilt als eine mögliche Quelle sauberer Energie, und im Text werden neben den Alpen und den Pyrenäen auch das Erzgebirge als mögliches Gebiet genannt. Zugleich verweist die Studie auf Kanada, wo im Kanadischen Schild bereits natürlich vorkommender Wasserstoff in einigen der ältesten Gesteine der Erde angereichert ist.
Für dieses Vorkommen haben Forschende der Universitäten Toronto und Ottawa die Konzentration erstmals gemessen und kartiert. Der Vergleich zeigt, dass solche Funde nicht nur von einzelnen Gesteinsarten abhängen, sondern von einer langen Abfolge geologischer Prozesse. Für die Suche nach energiequelle-ähnlichen Lagerstätten heißt das: Erosion ist nicht bloß Abtrag, sondern kann der Schritt sein, der Wasserstoff überhaupt erst erreichbar macht.
Offen bleibt vor allem, in welchen Gebirgen die Kombination aus Mantelgestein, Wasser, Speicherraum und Erosionsgeschichte tatsächlich groß genug ist, um wirtschaftlich nutzbare Vorkommen zu bilden. Genau dort dürften die nächsten Erkundungen ansetzen.
