Francisco Melo ist nach vier Jahren Abwesenheit ins Theater zurückgekehrt und steht mit El quinto paso im Teatro Zoco auf der Bühne. Der Schauspieler, der in der Produktion einen älteren Mann spielt, sagte, er habe vor diesem Schritt bewusst eine Phase der Selbstbeobachtung eingelegt.
„Hacer teatro y televisión es intenso. También tiene que ver con el paso de los años y las energías que uno tiene. Decidí tomarme un periodo de introspección. Hasta que apareció esta obra“, sagte Melo im Zusammenhang mit seiner Rückkehr. Die Produktion unter der Regie von Jesús Urqueta läuft seit dem 15. Mai 2026, 18:04 Uhr, und bringt ihn an die Seite von Felipe Rojas, der den jüngeren Mann spielt.
El quinto paso basiert auf dem fünften Schritt des Programms der Anonymen Alkoholiker, also auf dem Eingeständnis gegenüber Gott, sich selbst und einem anderen Menschen über das genaue Wesen der eigenen Fehler. Das Stück geht auf das 2024 beim Edinburgh Festival uraufgeführte Original von David Ireland zurück. Melo beschrieb die Handlung als Gespräch über einen jungen Mann, der sich mit Hilfe seines Sponsors von der Alkoholabhängigkeit erholen will.
Für den Darsteller ist das Thema nicht abstrakt. Er sagte, er und Rojas hätten während der Arbeit an dem Stück ihren Alkoholkonsum reduziert, um sich neu zu hinterfragen. „Este es un país en que el alcohol está súper presente. Existe una presión social. A propósito de la obra también me he cuestionado cosas. Con Felipe (Rojas) nos propusimos bajar nuestros niveles de alcohol, para replantearnos. Si eso también pasa en los espectadores, sería maravilloso“, sagte Melo. Die Bemerkung trifft einen Nerv, weil das Stück nicht nur Sucht, sondern auch Vertrauen, Freundschaft, Männlichkeit und Spiritualität verhandelt.
Melo kehrt mit dem Projekt auch nach einer langen Pause zurück, die nach La clausura del amor begann, in dem er mit Daniela Lhorente spielte und von Alfredo Castro geführt wurde. Der Schauspieler, der zuletzt auch durch einen plötzlichen Aufschwung in den sozialen Medien stärker im Blick stand, verbindet die Rückkehr mit einer klaren Haltung zum Theater selbst. „Es gibt den Wunsch, dass Theater nicht nur Unterhaltung oder Ablenkung liefert. Als Künstler muss man verantwortlich sein und Emotionen auslösen. Räume schaffen, die irgendeine Tragweite haben“, sagte er.
Genau darin liegt auch die Reibung der Rolle. Melo beschrieb das Theater als etwas Suchtähnliches im Hier und Jetzt, zugleich als ermüdend: „Es ist kathartisch und auch ein bisschen schizophren. Man mag es, in den Schmerz hineinzugehen, aber es ist anstrengend.“ Für El quinto paso ist das mehr als eine Formel. Es erklärt, warum seine Rückkehr nicht wie ein bloßes Comeback wirkt, sondern wie eine bewusste Entscheidung für ein Stück, das ihn und vermutlich auch das Publikum dazu zwingt, über Alkohol, Selbstbild und Verantwortung anders nachzudenken.
